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13 - EIN ANDERER PLANET   
21.08.2023, Katrin und Martin
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14.08.2023 Hrauneyjar-Landmannalaugar
Heute brauchen wir uns einmal nicht um das Frühstück kümmern. Wir dürfen uns am Frühstücksbuffet des Hotels satt essen. Sehr angenehm. Trotzdem kommen wir heute auch nicht früher weg als sonst. Die Sonne scheint uns ins Gesicht, es gibt praktisch keinen Wind und dadurch ist es relativ warm. Einmal mehr fragen wir uns, ob wir auf der richtigen Insel gelandet sind. Wir müssen ca. 8km den Weg, den wir gestern zum Hotel gefahren sind, zurück fahren, um zur Abzweigung auf die F208, die Fjallabaksleid zu gelangen. Es geht einiges an den gestern "vernichteten"  Höhenmetern wieder hinauf. Die 208er ist anfangs noch eine Asphaltstraße, die zu einem Kraftwerk führt. Hier fließt der Strom.

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Danach wird die Straße zu einer Schotter- und F-Straße wird. Wir müssen auf relativ grobem, losem Schotter einen Berg hinauf. Uff. Und da kein Wind geht, tummeln sich die Fliegen vor unserem Gesicht herum. Dabei hätten wir sogar geduscht. Oben angekommen, staunen wir nicht schlecht, vor uns breitet sich ein Lavafeld aus, durch das sich die F208 hindurchschlängelt.

Im Hintergrund schroffe Berge. Es macht Spaß, so in Kurven um die Lava herumzufahren.Lava auf Isländisch heißt "Hraun"- und dazu gibt es einen gleichnamigen Schokoriegel, den wir gerne im Radgepäck für Zwischendurch griffbereit haben.

Wir kommen zu einem Fluss und befahren  nun einen Nationalpark. Wild campieren ist also verboten. Das hätten wir aber sowieso nicht vorgehabt, denn bis Landmannalaugar, wo es einen Campingplatz gibt, sind es nur 35km von der Abzweigung der 208. Der Straßenbelag ändert sich in Sand. Hier wird es anstrengender zu fahren und wir schlängeln uns eher langsam an Bergen entlang.

Auf einmal zweigt eine steile Straße nach links ab. Oben auf einem Platz stehen eine Menge Autos. Da muss es wohl etwas zu sehen geben. Also rauf mit uns. Wir keuchen den steilen Anstieg hinauf. Vor uns liegt ein Kratersee. Die Sonne ist mittlerweile hinter Wolken versteckt, aber trotzdem erkennt man die blaue Farbe des Wassers.

Es geht nun eher sandig weiter Richtung Landmannalaugar. Wir nehmen einen weiteren Umweg zu Ljotipollur, ebenfalls ein Kratersee, der bei einer Vulkanexplosion im 15. Jahrhundert entstanden ist. Das letzte Stück zum Kraterrand müssen wir gehen. Oben angekommen blicken wir auf einen tiefen Krater. Der Kraterrand ist schwarz, dunkelrot gefärbt und teilweise hängt das Gestein weit über den Rand hinaus. Dazwischen haben sich grünes Moos oder grüne Flechten ihren Weg gebahnt. Ein wahnsinniger Kontrast.

Von hier oben hat man auch schon einen guten Blick auf den weiteren Weg.

Es sind nun nur mehr 5km bis Landmannalaugar. Jeden Kilometer, den wir zurücklegen, wird die Landschaft immer unglaublicher. Wir sehen bereits den auf allen Postkarten abgebildeten vielfärbigen Berg vor uns, der sich in den unterschiedlichsten rot-braun-grau-Tönen präsentiert. Wie auf einem anderen Planeten.

Als wir näher kommen, breitet sich davor ein See aus und zwischen den Hügeln ist erkennbar, wie sich bei dem damaligen Vulkanausbruch hier die Lavawalze ihren Weg zu dem See gebahnt hat.

Ich dachte immer, wir hätten im Hochland schon die unglaublichsten Landschaften und Farbkontraste gesehen, aber es wird immer noch besser, noch krasser. Neben dem See müssen noch über einen kleinen Hügel. Oben nach der Linkskurve stehen wir vor einem Panorama, dass einfach nur Wahnsinn ist. Vor uns ein schwarzer Vulkankegel, der von unten grün bemoost ist und an dem wir vorbei fahren.

Unten angekommen gelangen wir an einen Fluss, an dem die Straße nach rechts weitergeht.

Nach der Rechtskurve kommt der hintere Teil der See-Lavawalze ins Blickfeld. Sie ist riesig und die Straße führt quer durch sie durch.

Schon von weitem sehen wir die vielen Zelte und Autos vom Campingplatz Landmannalaugar. Das ist auch unser Ziel für heute.

Der Campingplatz wird auf der einen Seite von dem Fluss und dahinter den farbigen Bergen begrenzt.

Auf der anderen Seite ragt die Lavawalze in die Höhe.

Hier herrscht reger Betrieb. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Hot Spot. Rundherum dampft es aus dem Boden. Auch einen Hot Pot gibt es hier. Der ist natürlich sehr begehrt unter den Gästen und wir lassen ihn daher aus. Aber auch touristisch gesehen ist es ein Hot Spot. Ich kann das jetzt gut verstehen. Wir stellen unser Zelt auf und während dem Essen kommt noch die Abendsonne heraus und beleuchtet die farbigen Bergspitzen. Ich könnte einfach stundenlang vor dem Zelt sitzen und in die Landschaft und dem Treiben auf dem Campingplatz zuschauen. Es kommen immer neue Leute, die ankommen und ihr Zeug vom Auto auf den Zeltplatz transportieren. Auf den Campingplatz gelangt man nur zu Fuß über eine Brücke über den Fluss.

Mit dem Auto muss man den Fluss furten. Die Furt ist recht tief und daher parken Viele ihr Auto am Parkplatz und kommen zu Fuß die paar Meter auf den Zeltplatz. Beim Anmelden bekamen wir "Festivalbatches", die zeigen, dass wir die "Servicegebühr" bezahlt haben und damit die allgemeinen Einrichtungen, wie WCs, benutzen dürfen. Auch unser Zelt bekommt einen Batch, damit ersichtlich ist, dass wir bezahlt haben. Anders, kann ich mir gut vorstellen, kann man bei der Menge an Leuten überhaupt keinen Überblick mehr bewahren. Und irgendwie herrscht hier wirklich soetwas wie Festivalstimmung, im positiven Sinne. Viele hier gehen oder kommen den Laugavegur entlang, einem mehrtägigen Wanderweg zwischen Landmannalaugar und Pörsmork. Glückliche Leute kommen an, die gerade das Ziel ihrer Wanderung erreicht haben. Andere wieder sind voller Neugier und Erwartung, weil es der Start ihrer Wanderung ist. Viele sind vielleicht nur eine Nacht hier, wie wir und einfach nur von dem Panorama begeistert. Ein Radler kommt vorbei und fragt Martin, ob er vielleicht für seine Bremsen Ersatzbremsbeläge hätte. Er ist den Wanderweg, den Laugavegur, mit dem Rad gefahren und hat dabei alle seine 4 Paare Bremsbeläge verheizt. Uns wurde auch empfohlen, den Laugavegur zu fahren. Ich hatte mich schon im Vorfeld bereits schlau gemacht und auch ohne Gepäck ist das eine Viel-Rad-Trage-Tour und mit unserem Gepäck wahrscheinlich kaum machbar. Martin fragt den Radler, wie denn die Strecke war. "Terrible", er hatte heute 20km mit einem Höhenanstieg von 2000m zurückgelegt. Das bestätigt mich, dass das nichts für mich ist. Wir gehen relativ spät noch ein Stückchen den Wanderweg des Laugavegur hinauf. Der geht anfangs die Lavawalze hinauf und startet gleich einmal mit ein paar steilen Stufen. Wir lachen. Ja, das ist für uns und unsere Räder sicher nichts. Leider ist es schon etwas zu dunkel, aber wir können in der Ferne die vielfärbigen Berge sehen und Dampf der irgendwo dazwischen aus der Erde zischt. Wir werden morgen in der Früh vielleicht noch einmal heraufkommen, wenn das Wetter schön ist. Mittlerweile wird es hier wieder dunkel in der Nacht. Einerseits schade, weil wir dadurch an Zeitflexibilität verlieren. Andererseits aber auch gut, weil es dadurch dunkel genug wird, um vielleicht Nordlichter sehen zu können. Momentan ist die Sonnenaktivität eher mau, aber das kann sich schnell ändern.

15.08.2023 Landmannalaugar - Landhotel
Wir haben uns den Wecker auf 6:00Uhr gestellt, da wir gestern noch ein Hotelzimmer ca 80km entfernt von hier reserviert haben. Es scheint die Sonne, aber es wälzt sich schon eine Nebelwolke heran. Also joggen wir noch schnell das Stückchen zum Aussichtspukt von gestern den Laugavegur hinauf. Es sieht sehr mystisch aus. Wir schaffen noch ein Foto, bevor der Nebel die Landschaft komplett verschleiert.

Dann schauen wir, dass wir flott frühstücken und zusammenpacken, da wir doch eine längere Tour vor uns haben und nicht wissen, wie die F225 zu fahren sein wird. Ich nehme die schwerere Packtasche auf den Rücken, um das Gewicht ein bissl weiter vorne zu verlagern und damit die Hinterradfelge ein bissl zu entlasten. Das kann jedenfalls nicht verkehrt sein. Wir müssen bis zur Abzweigung der F225 den gleichen Weg wieder zurückfahren. Aber in die andere Richtung sieht alles wieder ganz anders aus und ist unglaublich toll anzusehen.

Auf dem letzten Hügel von gestern angekommen, präsentiert sich uns der See mit der Lavawalze spiegelglatt. Grandios!

Nach 5km erreichen wir die Abzweigung zur F225, der wir nun folgen werden.

Auch hier ändert sich die Landschaft nach jeder Kurve und jeder Kuppe. Jedesmal gibt es etwas Neues zu bestaunen. Postkartenmotive von bunten Bergen mit Schnee und rotem Gestein, das von einem Wasserfall überspült wird und dahinter blitzt ganz klein grün leuchtendes Moos hervor. Schwarze Vulkankrater, braune Berge mit hellbraun, grauen Zeichnungen. Von einem Hügel geht es plötzlich auf eine Grasebene hinunter. Links davon ragen bemooste Berge in die Höhe. Lavafelder durchqueren wir auch wieder.

Wir merken, dass wir das Hochland langsam verlassen, denn es geht tendenziell bergab. Bei einer Furt haben wir Glück, dass wir sie durchschieben können. Bald kommt der Vulkan Hekla ins Blickfeld-einer der aktivsten Vulkane Islands. Er wird uns heute noch lange Zeit auf der linken Seite begleiten.

Die Fahrbahn, die anfangs eher sandig war, wird immer erdiger, steiniger und schließlich erreichen wir nach 41km die 26er, die Asphaltstraße. Die Hinterradfelge hat das Gerumpel ausgehalten.

Damit haben wir endgültig das Hochland verlassen. Bei der Abzweigung auf die Asphaltstraße checkt Martin seine E-Mails. Der Radshop hat doch tatsächlich ein passendes 26 Zoll Hinterrad auf Lager. Super! Unser Plan scheint total aufzugehen. Wir bestätigen, dass wir es morgen holen werden. Nun geht es weitere knappe 40km bis zu dem Hotel. Wir haben Gegenwind und vor uns sehen wir immer wieder Regenfahnen vorbeiziehen. Wir wechseln uns mit dem Windschattenfahren ab. Das funktioniert ganz gut. Es fängt etwas zu nieseln an und übermotviert bleiben wir stehen, um uns unsere Regenkluft anzuziehen. Kaum als wir wieder auf den Rädern sitzen, hört das Geniesel auf. Eh klar! Wir kommen bis zum Hotel nicht mehr in den Regen. Um 16:15Uhr kommen wir im Hotel an. Perfektes timing, denn ab 16:00 kann man die Zimmer beziehen und ab 18:30 gibt es im Restaurant Essen. So haben wir noch gemütlich Zeit uns zu duschen, bevor wir das Essen genießen. Nach dem langen Tag sind wir dann doch ziemlich müde und freuen uns auf ein richtiges Bett.

16.08.2023 Landhotel-Selfoss
Heute brauchen wir uns nicht zu stressen. Bis nach Selfoss sind es nur 51km, weil wir gestern so brav geradelt sind. Und der Radshop sperrt erst um 13 Uhr auf. Wir haben gestern auch gleich noch ein Appartment für zwei Nächte in Selfoss gemietet. Unser letzter Pausentag ist ja schon eine Ewigkeit her und morgen soll es regnen. Das trifft sich doch gut. Wir gehen es also entspannt an und genießen das Frühstück hier im Hotel. Draußen nieselt es die ganze Zeit. Das wird heute wohl vielleicht endlich die erste Fahrt im Regengewand und unsere Räder werden gleich vom Staub befreit. Zurück im Zimmer und nach dem Zusammenpacken werfen wir erneut einen Blick aus dem Fenster. Die Regenschwaden sind vorübergezogen und es sieht eigentlich ganz freundlich aus. Es ist nur bewölkt. Das Regengewand bleibt auch heute in der Tasche. Es sind knappe 20km bis zur Ringstraße, der wir dann 30km folgen werden. Landschaftlich gibt es nicht so viel zu sehen, aber das macht nichts. Wir haben von den letzten Tagen noch so viele Eindrücke im Kopf. Auf der Ringstraße haben wir Glück mit dem Wind und kommen gut voran. Selfoss erreichen wir um 14 Uhr.

Es geht gleich einmal zu dem Radshop. Das Hinterrad steht schon bereit. Ich kaufe mir gleich noch einen neuen Hinterreifen. Das Profil ist nun endgültig abgefahren. Und ich investiere auch gleich in einen etwas breiteren Vorderradreifen. Ich habe ein Teilstück Martins Rad mit seinen 2,6 Zoll breiten Reifen ausprobiert-kein Vergleich. Die walzen weitgehendst über die Waschbretter drüber. Die Vollfederung macht den Rest. Zwei Ersatzschläuche nehmen wir ebenfalls mit. Gut, dass Martin mit dabei ist. Ich muss ehrlich sagen, ich hätte nicht gewusst, welche Spezifikationen für das Hinterrad ich dem Radshop schreiben müsste. Das Ummontieren habe ich dann aber selber gemacht. Das kann ich mittlerweile, wenn auch eine fachmännische Anleitung bei dem ein oder anderen Detail sehr hilfreich ist. Ich habe also das Hinterrad beim Radshop gleich getauscht und die neuen Reifen aufgezogen.

Das alte Hinterrad, das Martin auf unserer 23° Nordwärts-Tour in Brønnøysund eingebaut hat, hat es bis hierher nach Selfoss geschafft und mir damit gute Dienste geleistet. Da das Problem der gerissenen Felge nun schon das zweite Mal aufgetreten ist, schmieden wir bereits Pläne, wie mein Tourenrad zukünftig konzipiert sein muss. Aber vorerst bin ich gut versorgt. Wir fahren zu unserer Unterkunft. Anfangs suchen wir etwas herum, denn an der Adresse steht ein nigelnagelneues Gebäude, das noch nicht einmal ganz fertig ist. Das kann ja wohl nicht stimmen. Doch! Das Appartment ist nigelnagelneu und hat sogar eine Waschmaschine mit Trocknungsfunktion. Wir gehen noch in den Ort ins Café und kaufen für das Abendessen ein. Dann wird die Waschmaschine angeworfen.

Gesamtkilometerstand: 1836km
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