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8 - ROUTE 622  
31.07.2023, Katrin und Martin
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26.07.2023 Patreksfjördur-Bildudalur
Heute ist super Wetter. Damit wir nicht einrosten, geht es gleich einmal einen Berg hinauf. Und zwar den Miklidalur.

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Zwischendrinnen ist eine riesen Baustelle. Das Getöse, Gewummere und Gehämmere der schweren Geräte, der Staub und die mühsame, aufgegrabene Straße lassen uns auf einen Track ca 200m abseits der Straße ausweichen.

 

Er geht der Straße am Berghang entlang und soll nach der Baustelle wieder auf die Straße führen. Der Track ist schöner gelegen, es fahren keine Autos und von hier aus sieht er ganz gut aus. Also los!  Wir hätten es besser wissen müssen. Schnell stellt sich heraus, dass der Track ein als Weg getarnter Geröllhaufen ist.

Wir werden wohl um einiges länger brauchen als auf der Straße. Glücklicherweise ist er nur 1,5km lang und daher ist das doch größtenteils Geschiebe von mir  überschaubar. Das Getöse, Gewummere und Gehämmere hören wir auch hier, wenn auch gedämpft-es kratzt ordentlich an meinen Nerven. Wir gelangen dann endlich wieder auf die Straße zurück und erreichen flott den höchsten Punkt. Nun geht es bergab. Unten angekommen machen wir einen Abstecher nach Tálknafjördur. Dort soll es in 10km sogar gleich 2 Hot Pots geben. Am Weg dorthin macht es einen ordentlichen Rumpler. Ich hatte einen "chain suck"-die Kette verklemmte sich beim Schalten in den Kettneblättern. Daraufhin hat es das Schaltwerk zu weit nach vorne gezogen und die Rückziehfeder für den Schaltkäfig dürfte sich ausgehängt haben. Damit ist jetzt die Kette nicht mehr gespannt.

 

Wir radeln noch bis zum nächsten Café. Leider hat es geschlossen. Wir machen uns ein paar Käsebrote und beginnen dann, das Schaltwerk zu reparieren. Wir schrauben das Schaltwerk ab und versuchen die Feder wieder einzuhängen.

Bin ich froh, dass Martin mit dabei ist. Ich wäre alleine bei dem Problem total aufgeschmissen. Wusste ich doch  nicht einmal, dass da eine Feder in dem Schaltwerk versteckt ist. Wieder etwas dazugelernt :)
Nach mehrmaligen Versuchen haben wir es gemeinsam geschafft, die Feder wieder zu spannen und das Schaltwerk zu montieren.
Jetzt kann es zu den Hot Pots weitergehen.

Der erste ist ein Geheimtipp. Ein natürlicher Hot Pot unter der Brücke neben einem Fluss.

In der Sonne ist das sogar mir zu heiß. Da kühle ich mich gleich noch einmal im Fluss ab.

Der zweite Hot Pot besteht aus mehreren künstlich angelegte kleinen Pools.

 

Hier treffen wir auf zwei nette Damen aus den USA. Ich plaudere mit ihnen und sie können es gar nicht richtig glauben, dass wir die Distanz, die sie in 2 Tagen mit dem Auto zurückgelegt haben, mit dem Fahrrad gefahren sind. Ich halte es mit der Aufenthaltsdauer im Pool kurz. Schließlich müssen wir noch weiter und noch über den Berg Hálfdán. Noch eine kurze Dusche nach dem Hot Pool und dann geht es weiter. Bei Sonnenschein geht es wieder den Berg hinauf.

Wir strampeln entlang eines Flusses bergauf. Beim Bergauffahren fahren Martin und ich eigentlich immer unser eigenes Tempo. Das bedeutet: Martin ist flotter unterwegs und meist nach einigen Metern nur mehr ein Punkt irgendwo vor mir. Ich fahre in meinem Tempo hinterher. Es geht eigentlich ganz gut-bis auf die letzte lange Gerade. Die zieht sich, denn da bläst uns der Wind gehörig entgegen. Oben angekommen geht es nur noch bergab und dann kommen wir schon im Ort Bildudalur an.

Wir steuern geradewegs auf das Café zu. Dort haben wir uns etwas zum Essen verdient. Das Gute an so einer Fahrradtour ist: man muss nicht wirklich auf die Kalorien achten  smiley Also gibt es als Nachspeise einen warmen Apfelkuchen mit Softeis für mich. Hmmmm!

Dann geht es zum Campingplatz. Da wir spät dran sind und das angrenzende Schwimmbad gerade schließt, können wir die Duschen nicht mehr benutzen. Na gut. Hier treffen wir auch wieder das spanische radelnde Pärchen aus Patreksfjördur. Sie haben den gleichen Weg wie wir. Ich wasche noch Wäsche und schreibe den nächsten Blog. Es gibt immer etwas zu tun.

27.07.2023 Bildudalur-Dynjandi
Die Sonne weckt uns. Martin ist für das Porridge zuständig, während ich das WiFi nutze, um den Blog hochzuladen.

 "Wo ist eigentlich unser Schneidbrett?"; "Keine Ahnung, eigentlich in der Fahrradtasche mit dem Essens- und Kochzeugs"; "Nein, da ist es nicht. Oh! Das liegt dann in Patreksfjördur neben der Abwasch" Oje, unser tolles Schneidbrett-extra dünn und extra leicht. Naja, vielleicht freut sich jemand drüber. Wir sind bisher auch immer ohne Schneidbrett ausgekommen, aber es war schon ein extra Komfort. Wenigstens haben wir ein bißchen Gewicht gespart. Nach dem Frühstück geht es aus Bildudalur los. Wir fahren bei Traumwetter entlang des Fjords.

Wir kommen an einem tollen Wasserfall vorbei, an dem wir Pause machen.

Auch ein Hot Pool liegt auf dem Weg. Das ist aber so überfüllt, dass wir es rechts liegen lassen und beschließen weiter zu fahren. Zur Abwechslung steht heute eine sogenannter Doppelberg an. Es geht zuerst auf 500m hinauf, dann geht es in dieser Höhe eine Weile weiter und auf und ab, bevor wir dann nochmals auf 500m hinaufkurbeln müssen. Wir haben extremen Seitenwind. Auf der Schotterstraße mit Schlaglöchern, losen Steinen, Waschbrettuntergrund und dem Autoverkehr erfordert das volle Konzentration und Körpereinsatz, um das Fahrrad bei den Windböen halbwegs auf der Spur zu halten. Je höher wir kommen, desto stärker wird der Wind. Unsere spanischen Radelnden treffen wir auch auf dem Anstieg. Auf dem ersten Berg angekommen bläst es so stark von der Seite, dass es mein Fahrrad in dem Schotter einfach zur Seite versetzt. Das kurze Stück muss ich schieben. Wir kämpfen uns weiter. Mit 4-5km/h krabbeln wir auch den nächsten Anstieg auf 500m hinauf, bis nach 17km der höchste Punkt erreicht ist.

Immerhin können wir es teilweise rollen lassen. Je tiefer wir kommen, desto weniger windig wird es und desto mehr Wasserfälle kreuzen wir.

Unten angekommen nehmen wir Kurs auf den Dynjandi Wasserfall- einer der großen Sehenswürdigkeiten der Westfjorde. Der Brautschleier-Wasserfall.

Wir befinden uns in einem Naturreservat und campen ist hier verboten, außer auf gekennzeichneten Campingspots. Hier direkt beim Wasserfall neben dem Parkplatz ist für Wandernde und Radelnde ein solcher Campinspots für eine Übernachtung am Pausenplatz eingerichtet.

Das ist gut, denn weiter wollen wir heute eigentlich nicht mehr radeln. Gemeinsam mit den Radelnden aus Spanien schlagen wir also hier unser Lager auf.

Es ist Abendsonne und der gigantische Wasserall wird in schönes Licht getaucht. Wir machen uns zuerst etwas zum Essen, stellen das Zelt auf und wandern dann noch zu dem Wasserfall hinauf. Toll!

Es sind noch einige Besucher:innen und Fotografierende unterwegs, die die tolle Lichtstimmung einfangen wollen. Wir fragen uns, wie viele sich darüber ärgern, dass hier Leute trotz der riesen "Campieren verboten"-Schilder einfach dreist ihr Zelt aufstellen. Auch wir dachten zuerst, dass wir hier doch nicht übernachten können, obwohl das in der "Iceland Cyclingmap 2023" eingezeichnet ist. Denn die Information zur Ausnahmeregelung ist nur ganz klein auf den Hinweisschildern aufgedruckt. Es ist ein schöner Platz und langsam legt sich auch der Wind. Die Aussicht aus dem Zelt ist grandios!

28.07.2023 Dynjandi-Phingeyri
Wieder ein Traumwetter heute. Langsam füllt sich der Besucher:innenparkplatz des Dynjandi und wir machen uns auf den Weg in Richtung Phingeyri.

Heute kommt der Abschnitt, auf den wir uns seit der Planung schon freuen. Die Straße 622 um die Halbinsel Svalvogarleid herum. Von manchen 4x4-Autofahrenden wird diese Straße als die Gefährlichste Islands bezeichnet. Der Grund: ein Teil davon liegt auf Meeresniveau. Bei Sturm und Flut kann dieser Teil gefährlich bzw unpassierbar werden. Daher sind Wind und Gezeiten vor der Passage zu beachten-so steht es überall geschrieben. Ebbe ist um 8Uhr und um 22Uhr. Das ist nicht ideal, aber zur Not müssen wir vor Ort einfach warten bis wir die Stelle passieren können. Nach 22km gibt es noch ein Café in einem entzückenden Häuschen, wo wir nochmal die Tidensituation abklären.

Nach einer Stärkung geht es weiter. Vor uns: drei Geländewagen, die den selben Weg gewählt haben wie wir. Bei dem Wetter und der Sicht ist der Weg grandios. Auch die Wegbeschaffenheit ist bisher eigentlich ganz gut.

Es gibt ein paar Flussfurtungen. Die können wir aber meist fahrend bewältigen.

Die Sicht ist heute so gut, dass das stetige auf und ab immer neue Blicke auf die überwältigende Landschaft gibt. Hinter jeder Kurve, auf jeder neuen Kuppe verbirgt sich etwas Neues, ein neuer Blickwinkel, ein neuer Ausblick.

Immer wieder kommen uns Fahrzeuge entgegen. Sogar eine Beiwagenmaschine kommt vorbei. Der Weg kann also nicht so schlecht sein und offenbar ist auch die Passage auf Meeresspiegelniveau kein Problem, obwohl noch gar nicht Ebbe ist. Der Weg ändert sich nun in eine Strecke, die nur für 4x4-Fahrzeuge befahren werden darf. Das bedeutet, der Untergrund wird etwas gerölliger. Aber es ist kein Vergleich mit dem, was wir schon so befahren/beschoben haben. Dennoch wird es etwas anstrengender. Nach 40km kommen wir an "die Stelle". Und tatsächlich, die Passage ist kein Problem. Der spektakuläre Abschnitt ist ohne Problem passierbar.

Dafür ist der Weg zurück "über Meeresniveau" selektiv. Die Steigung beträgt von Martin geschätzt 25%. Der schafft das sogar mit dem ganzen Gepäck hinauf zu radeln. Bei mir ist nach 10m Schluss. Ich muss schieben. Das Stück ist aber nur kurz und daher alles kein Problem. Dann geht es immer weiter der Küste entlang vorbei an beeindruckenden Bergen, Küsten und durch Steinfelder - oder vielleicht sind das hier alles Trolle?

Auch ein Leuchtturm liegt auf dem Weg. Es ist ein Kleiner, Gelber, Unscheinbarer, aber mit netter Aussicht.
Es geht wie üblich bergauf, bergab und langsam werden wir müde. Bis nach Phingeyri sind es noch 20km. Wir haben bereits 55km am Tacho. Entweder wir schlagen irgendwo hier unser Zelt auf oder wir ziehen es bis auf den Campingplatz im Ort durch. Wir finden keinen geeigneten Zeltplatz mit Wasserstelle, also radeln wir einfach weiter. Da kommt uns der Spanier entgegen. Wie nett! Er möchte zu dem Leuchtturm. Sie sind über den Berg nach Phingeyri gefahren. Das war ziemlich steil. Es seien noch ca. 20km in den Ort und der Weg ist gut bis dahin, berichtet er uns. Es gibt eine eher exponierte Stelle und noch einen steileren kurzen Anstieg. Sonst sollte es gut gehen. Das motiviert uns und wir radeln in der Abendsonne dem Ort entgegen. Bald endet die Offroadstraße für 4x4-Fahrzeuge und der Weg wird wieder leichter fahrbar. Dann kommt eine ebene Schotterstraße. Schon lange sehen wir den Ort hinter der Biegung der Halbinsel, er will jeodch nicht näher kommen. Wir müssen noch einen Riesenbogen fahren und das bei Gegenwind. Nun zieht es sich ein bißchen. Schlussendlich schaffen wir es nach Phingeyri.

Es ist knapp vor 21:00Uhr. Das Café mit seinen legendären Waffeln hat bereits um 18:00 geschlossen. Den Besuch müssen wir also auf morgen verlegen. Es ist definitiv ein Vorteil, dass es hier momentan nicht wirklich finster wird. Hier gibt es sogar Duschen am Campingplatz. Nach einem schnellen Essen und Zeltaufstellen freuen wir uns auf eine heiße Dusche. Zu doof, dass es kein warmes Wasser mehr gibt. Bei mir ist es an der Grenze zwischen kalt und lau. Ich schaffe es aber doch irgendwie mir den Sand von der Schotterstraße abzuwaschen. Ich sehe es als Abhärtung. Martin hat nur eisig kaltes Wasser und beschließt das Duschen auf morgen zu verschieben. Die Route 622: über 1000 Höhenmeter auf 76km mit grandiosen Ausblicken. Wir sind begeistert! Wir beschließen jedenfalls, morgen hier einen Pausentag einzulegen.

29.07.2023 Pausentag in Phingeyri
Wir schlafen erst einmal aus. Die letzten Tage haben wir uns den Wecker auf 7:00Uhr gestellt, damit wir so gegen 10 Uhr starten können. Wir brauchen immer länger, bis wir unsere sieben Sachen beisammen haben und startklar sind. Den Tag starten wir heute mit dem Besuch in dem Café, wo wir frühstücken.

Das spanische Radelpärchen ist auch hier und frühstückt. Sie machen sich aber bald auf den Weg nach Isafjördur um dort einen Pausentag einzulegen. Das heißt, dass wir uns wahrsscheinlich morgen dort wieder treffen werden, wenn wir dort ankommen. Nach dem Frühstück kaufen wir im Supermarkt noch etwas ein. Dann wird Wäsche gewaschen. Hier gibt es eine Waschmaschine und einen Trockner. Das muss genutzt werden. Die Fotos werden überspielt, die Wäsche von der Waschmaschine in den Trockner verfrachtet und Martin probiert es nochmals mit Duschen. Fehlanzeige. Auch heute gibt es kein warmes Wasser. Die Wäsche wird aus dem Trockner geholt. Zwischendurch nehme ich Kontakt mit dem Radgeschäft in Isafjördur auf. Die Feder meines Schaltwerks hat sich schon wieder ausgehängt. Wir haben keine Lust, sie jeden zweiten Tag wieder mühsam einzuhängen. Also frage ich an, ob sie für mich ein passendes Schaltwerk auf Lager haben. Ich bekomme prompt eine Antwort auf meine Anfrage. Lagernd hätten sie das nicht, aber sie könnten es mir bestellen und es wäre Dienstag gegen 10:00Uhr vormittags da. Das passt doch. Dann machen wir in Isafjördur am Montag auch noch einen Tag Pause. Das Schaltwerk müssen wir also heute  auch nochmal reparieren. Also, es ist immer was zu tun an so einem Pausentag.

 

Gesamtkilometerstand: 783 km

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