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17 - LETZTE RADKILOMETER  
24.09.2023, Katrin und Martin
Live-Tracking
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11.09.2023 Kidagil-Reykjahlid
Noch ist es bewölkt, aber das blaue Loch kommt immer näher. Heute soll es sonnig werden. Es ist deutlich kälter geworden. Das merken wir daran, dass die Räder am Morgen mit einer Eisschicht überzogen sind.

Per Klick auf die Fotos werden diese in einem separaten Fenster angezeigt

Heute geht es an den Myvatn-den Mückensee. Für diese Etappe stehen zwei Alternativrouten zur Umfahrung der Hauptverkehrsstraße zur Auswahl:

  1. Die Nördliche: kürzer, aber mit einem Berg
  2. Die Südliche: länger, aber flacher.

Martin befragt eine Dame an der Rezeption zu den zwei Alternativrouten. Die nördliche Variante gleicht landschaftlich der Umgebung, wie wir sie  hier vorfinden: Weidelandschaft. Die südliche Route ähnelt eher einer Landschaft wie im Hochland. Dort gibt es auch ein paar Flussquerungen, die allerdings kein Problem darstellen sollten. Eine Furt soll recht breit sein, aber da könnte man eventuell sogar mit dem Fahrrad durchfahren. Es soll auch keine steilen Anstiege zu bewältigen geben. Das hört sich gut an.  Flussfurtungen sind auf der Route in unserer Cyclingmap nicht verzeichnet, aber wir sehen in der Navigationsapp, dass der Weg einige Bach-/Flussläufe quert. Da das Wetter heute schön werden soll und wir noch einmal Hochlandfeeling erleben wollen, entscheiden wir uns für die südliche, längere Variante. Anfangs geht es entlang des Skjálfandafljót, ein Fluss der seinen Ursprung im Vatnajökull, Islands Riesengletscher, hat.

Mittlerweile hat sich die Sonne durch die Wolken gekämpft. Doch vor uns sehen wir schon eine Regenfront auf uns zu rollen. So war das aber eigentlich nicht angesagt. Als wir die ersten Tropfen spüren, ziehen wir uns schnell das Regengewand an. Bis wir damit fertig sind, ist auch die Regenfront vorbeigezogen. Da ein eisiger Wind weht, lassen wir sie besser einmal an, denn Regenfahnen sind rund um uns herum zu sehen. Die Schotterstraße wird langsam zu einem Karrenweg. Wir fahren entlang eines Sees und es dauert nicht lange, da rollt die nächste Regenwolke heran.

Es regnet allerdings nicht, sondern graupelt. Der Graupelschauer dauert nicht lange und schon bald ist wieder die Sonne da. Die Landschaft ist hier bereits in schöne, bunte Herbstfarben getaucht.

Mit der Zeit wird es immer karger und hochlandähnlicher. Vor und neben uns bilden schneebedeckte Berge das Panorama.

Die angezuckerten Berge sehen toll aus. Der Weg ist super zu fahren und landschaftlich ist es einfach toll. Die Dame hatte bisher Recht, es ist wie im Hochland hier. Nur dass man dafür nicht erst bergauf radeln muss. Wir erreichen die erste Flussfurt.

Die ist zwar nicht breit, aber sieht relativ tief aus. Durchfahren scheint hier nicht zu klappen. Wir müssen die Schuhe ausziehen und schieben. Schieben sollte gerade noch möglich sein. Also her mit den Furtschuhen. "Meine Schuhe sind weg", sagt Martin. Anscheinend war der Spanngurt nicht fest genug gezogen und die Schuhe sind bei dem Gerumpel irgendwann runtergefallen. Irgendwie haben wir unseren eigenen Grundsatz nicht befolgt, dass alles was außerhalb befestigt wird, nochmal mit einem Karabiner oder was ähnlichem gesichert werden muss. Vielleicht war das bei dem letzten rumpeligen Abschnitt. Da habe ich gefilmt. Wir schauen uns also das Video an, ob da die Schuhe noch montiert waren, denn das würde bedeuten, dass man das kurze Stück zurückfahren kann um sie zu suchen. Leider Fehlanzeige. auch auf dem Video fehlen die Schuhe bereits. Mir ist das leider auf der Herfahrt nicht aufgefallen, dass die fehlen. Echt blöd. Naja, es hilft nix. Martin schiebt das Rad ohne Schuhe durch den Fluss, es ist nur Sandboden, da geht das halbwegs gut. Ich habe immerhin meine Watschuhe an. Kalt ist es trotzdem. Die nächste Furt können wir dann durchfahren. Sonne und Graupel wechseln sich ab, dazu bläst eisiger Wind. Auch die Landschaft gibt immer wieder tolle Kontraste zwischen Herbstfarben und Steinwüste ab. Das gefällt uns.

Der Weg scheint nicht oft befahren zu werden. Manchmal ist die richtige Spur nur schwer zu erkennen. Da hilft uns das Navi, um auf dem Weg zu bleiben.

Nach ca. 35km gelangen wir an die von der Dame erwähnte breite Furt. Die ist wirklich verdammt breit.

Dass man hier durchfahren kann, bezweifeln wir. Martin macht eine Probefurtung. Hier wären die Schuhe wirklich hilfreich. Die Furt ist über 50m breit, das Wasser saukalt und der Boden besteht aus groben Steinen. Fazit: wir müssen tragen, es ist zu tief zum Schieben.

Natürlich stehen wir zusätzlich noch mitten in einem Graupelschauer. Nicht, dass die Sonne die Wassertemperatur verändern würde, aber rein psychologisch ist es weniger Überwindung wenn die Sonne scheint. Ich fackel nicht lang rum, nehme meine Packtaschen und wate durch den Fluss. Ich nehme eine andere Linie und siehe da, die ist viel seichter. Hier kann man die Räder problemlos durchschieben. Auf der anderen Seite angekommen, müssen wir erst mal die eingefrorenen Füße wieder halbwegs auf Temperatur bringen. Da wir dachten, dass wir tragen müssen, stehen nämlich unsere Räder noch drüben am anderen Ufer. Das heißt, noch zweimal durch den Fluss. Wir trocknen die Füße und machen Gymnastik, Strecksprünge, Sprints und alles mögliche, um die Füße irgendwie aufzuwärmen. Martin nimmt meine Watschuhe und holt einmal sein Fahrrad, während ich noch am Aufwärmen bin. Meine Füße sind zwar immer noch Eisblöcke, aber es nützt ja nichts. Ich übernehme meine Watschuhe, überlege nicht lange, gehe ans andere Ufer, schnapp mein Fahrrad und wate wieder zurück.

Brrrr....Die Zehen spüre ich nicht mehr wirklich. Am anderen Ufer trockne ich die Füße schnell ab. Ich spüren nicht einmal mehr die Steinchen, die sich zwischen meine Zehen gequetscht haben. Egal, Socken an, Schuhe an und herumhüpfen. Das wird ja nun wohl die letzte Kneippkur gewesen sein. Wir radln mit unseren Eisblockfüßen weiter. Die werden schon irgendwann wieder auftauen. Nach 5km stehen wir vor der letzten Furt. Die ist zwar lang nicht so breit, aber breit genug um schieben zu müssen. Danach dauert es ca. 20km bis die Füße wieder Normaltemperatur erreicht haben.  Die Graupelschauerwolken haben sich verzogen und nun scheint die Nachmittagssonne. Aus der Ferne sehen wir bereits den Myvatn (Mückensee).

Kurz darauf haben wir die Straße um den See herum erreicht. Was den Myvatn so besonders macht, sind Landschaften vulkanischen Ursprungs, wie die Tuffsteinformationen in Dimmuborgir, die Krater- und Pseudokraterlandschaft und die geothermischen Felder.

Der See ist Teil des aktiven Krafla Vulkansystems. Wir radlen in der Spätnachmittagssonne durch diese faszinierende Landschaft. In der Ferne sieht man es aus der Erde qualmen und dampfen.

Toll! In Reykjahlid gehen wir noch schnell in den Supermarkt, dann wollen wir auf den Campingplatz. Der hat aber bereits Saisonschluss und ist geschlossen. Mittlerweile  ist die Sonne verschwunden und es ist deutlich kühler. Ok, dann müssen wir auf den nächsten Campingplatz beim Flugplatz. Auf dem Weg dorthin kreuzen wir ein Hotel. Die mögliche Aussicht auf ein warmes Zimmer siegt und ich frage, ob eventuell noch ein Zimmer frei wäre. Ja, ist es. Ich überlege nicht lang und nehme das Zimmer. Sogar zwei Hot Tubs gibt es im Außenbereich. Wir beziehen das Zimmer, tragen uns in die Nordlicht-Aufweck-Liste ein und gehen noch etwas essen. Dann wärme ich mich im Hot Tub auf. Es ist eine klare Nacht, aber die Nordlichtvorhersage ist eher mau.

12.09.2023 Myvatn-Ásbyrgi
Da wir in der Nacht keinen Nordlicht-Aufweck-Ruf erhalten haben, schien die Vorhersage richtig gewesen zu sein. Es ist strahlend blauer Himmel und die Sonne scheint. Es war anscheinend wieder eine eiskalte Nacht, denn unsere Räder sind wieder mit Frost überzogen.

Und auch die Pflanzen der Hotelanlage, die vermutlich extra für diesen Effekt mit Wasser besprüht wurden, sind eingefroren.

Gut, dass wir ein Zimmer genommen haben. Wir machen uns auf den Weg. Unser erster Zwischenstopp soll heute der Dettifoss sein. Vom Myvatn weg geht es vorbei an den dampfenden Feldern, die wir gestern bereits gesehen haben, und über einen kleinen Berg.

Kurz vor dem höchsten Punkt des Berges machen wir Halt auf einem Aussichtsplatz, um ein Foto vom Myvatnpanorama zu machen..

Wir plaudern mit einem Paar aus Israel, die ebenfalls ganz fasziniert von der Landschaft hier sind. Da ich eine Solaranlage hinten montiert habe, glauben sie, dass ich hier mit einer Art solarbetriebenem E-Bike unterwegs bin und fragen sich, ob dieses Solarpaneel denn dafür ausreicht. Ich stelle dann immer klar, dass das keine E-Bike ist, das Rad mit Muskelkraft betrieben wird und die Solaranlage zum Aufladen von unseren ganzen Kamera-Akkus dient. Das Paar meint, es gibt hier aber viele Berge zu überwinden. Das muss ja ganz schön anstrengend sein. Der Mann meint, da bräuchten wir gute Kraftnahrung, und zwar diese Datteln hier. Es sind Medjoul Datteln aus dem Jordantal. Das seien die Besten. Wir sollen sie probieren. Wow, die schmecken wirklich gut. Wir können gar nicht schnell genug schaun, da haben sie uns ein Sackerl mit Datteln vollgefüllt und wollen, dass wir sie mitnehmen. Denn wir brauchen sie nötiger als Energiespender als sie. Sie sind ja bloß mit dem Auto unterwegs. Das ist aber nett! Wir fahren die letzten Meter bis zum höchsten Punkt des Berges weiter. Ab hier soll es heute tendenziell nur bergab gehen. Wir haben auch Glück mit dem Wind, der heute von hinten kommt. Wir radln also zügig, bei sehr wenig Verkehr, trotz Hauptverkehrsstraße, durch die Lavalandschaft des Krafla-Vulkansystems.

So lässt sichs wirklich radln und wir kommen heute echt flott voran. Schnell haben wir die Abzweigung zur Westseite des Dettifoss erreicht. Hier ist schon wieder etwas mehr Verkehr, aber es geht gut zu radln. Natürlich besichtigen wir den Dettifoss auch aus der Nähe, wenn wir schon daran vorbeikommen. Schließlich ist es einer der größten Wasserfälle Europas, gemessen am Wasserdurchlauf.

Da wir so gut voran kommen und es erst 15Uhr ist, beschließen wir, bis zum nächsten Campingplatz weiter zu fahren. Der ist allerdings nicht angeschrieben und wir müssten erst in eine Schlucht fahren, wo der angeblich liegen soll. Wir haben noch immer Rückenwind, die Sonne scheint und bis Ásbyrgi sind es nur noch 17km. Da können wir doch gleich bis dorthin weiter fahren. Dort soll es auch einen Campingplatz geben und dort wollen wir sowieso hin. Nach insgesamt 90km erreichen wir also Ásbyrgi. Ásbyrgi ist eine Schlucht, die von oben wie ein Hufeisen aussieht. Mythisch betrachtet, entstand diese Schlucht, als Odins achtbeiniges Pferd Sleipnir hier mit einem Huf die Erde berührte. Und mitten in dieser Schlucht befindet sich der Campingplatz. Bevor wir aber auf den Campingplatz fahren, biegen wir noch kurz bei einem Handwerksladen ein. Hier gibt es selbstgestrickte Islandpullis zu kaufen.... und frisch gebackenes, traditionell isländisches Rúgbraud (Roggenbrot) und Pönnukökur (Palatschinken). Das nehmen wir fürs Frühstück mit. Und dazu noch eine selbstgemachte Ribiselmarmelade. Dann machen wir uns auf zum Campingplatz. Der ist riesig und auf einer Seite von der großen Felswand der Schlucht begrenzt. Ein toller Platz. Es ist rein gar nichts los hier. Wir haben eine ganze Zeltwiese für uns alleine.

Auch hier sollte man über die App, die schon einmal nicht bei uns funktioniert hat einen Platz reservieren und bezahlen. Es funktioniert wieder nicht. Immerhin kann man hier auch im Besucherzentrum bezahlen. Da das heute schon geschlossen hat, werden wir das einfach morgen nachholen. Auch das Servicegebäude bietet alles was man braucht: heiße Duschen, Waschmaschine und Trockenschränke für die Wäsche. Super! Vor allem, da so wenig los ist. Wir machen uns noch was zu essen und dann gehe ich duschen. So eine heiße Dusche kann schon was. Als ich von der Dusche zurück komme, ist es schon relativ dunkel. Der Blick geht sofort in den Himmel. Es ist wolkenlos und tatsächlich ist schon ein wenig Nordlicht zu sehen. Das ist üblicherweise ein gutes Zeichen, wenn das Nordlicht bereits recht früh am Himmel erscheint. Und es erscheint als Flammen an verschiedenen Stellen, auch das ist ein vielversprechendes Zeichen für eine gute Nordlichtaktivität. Martin hat das auch schon bemerkt und bereits das gesamte Fotoequipment in Stellung gebracht. Die ganze Zeit verändert das Nordlicht seine Form, verschwindet kurz an der einen Stelle und taucht dafür woanders auf. Hin und wieder tanzt es auch und bewegt sich.

Wir haben alles an Kleidung an, was wir haben und bewegen uns ständig, damit uns nicht zu kalt wird. Die Fahrräder sind bereits wieder mit Frost bedeckt. Vorsorglich montiert Martin sogar seine USB-betriebene Objektivheizmanschette (ja, sowas haben wir auch mitgeschleppt!). Der Sternenhimmel ist ein Wahnsinn und mit dem Nordlicht dazu ist es toll. In der Schlucht hier haben wir auch überhaupt keine Lichtverschmutzung. Und da die nächsten Campingplatzgäste zwei Zeltwiesen weiter ihr Lager aufgeschlagen haben, stören wir sie auch nicht mit unserem Herumgewusel. Eine französische Gruppe macht irgendwo Party, aber da das hier so weitläufig ist stört das nicht. Als wir so das Nordlicht beobachten, da zischt über den Himmel eine Riesen-Sternschnuppe, macht einen elendslangen Schweif und verglüht dann mit einem gleißend grünen Lichtblitz. Was war das, bitte? Sowas haben wir noch nie gesehen. Die Leuchtspur ist noch mehrere Minuten lang zu sehen. Wahnsinn!

Sogar eine Nordlichtkorona bekommen wir zu sehen. So nennt man die Formation, die ein Nordlicht zeichnet, wenn es direkt über dem Kopf im Zenit zu sehen ist.

Wir haben wunderschöne Fotos gemacht:

Bevor jetzt aber alle aus den Schuhen kippen, wegen der Farben... hier müssen wir ehrlicherweise dazu sagen, dass die Farben rot, violett, blau und orange des Nordlichts nur die Kamera sieht. So wie wir es tatsächich gesehen haben, das sieht dann ungefähr so aus:

Es war ein wirklich nettes Nordlichtschauspiel. Um 2:00Uhr ist es vorbei und wir beschließen schlafen zu gehen.

13.09.2023 Ásbyrgi-Húsavik
Mir war eiskalt in der Nacht. Das lag vermutlich auch daran, dass wir durch das lange Nordlichtschauen in der Kälte schon etwas erfroren in den Schlafsack gekrabbelt sind. Meine Zehen sind erst nach einigen Stunden warm geworden. Und mit kalten Zehen kann ich nicht schlafen. Auch Martin musste in der Nacht eine zusätzliche bekleidungsschicht anziehen. Außerdem haben wir festgestellt, dass die gute Belüftung des Zeltes für solche kalten Nächte eher ein Nachteil ist, denn die kalte Luft zieht dann durchs ganze Zelt. Da hilft auch nicht, dass sich die Wärme gut im Schlafsack hält. In dieser Sache haben wir wieder ein paar neue Erkenntnisse hinsichtlich Zelt dazugelernt. Wir sind jedenfalls froh, dass in der Früh die Sonne scheint. Wir genießen also die Palatschinken und das Roggenbrot mit Marmelade in der Sonne. Da parkt auf einmal ein Autoneben uns. Ein junger Mann steigt aus und fragt, ob wir den Platz reserviert hätten. Nein, die App hat nicht funktioniert und wir wollen später ins Besucherzentrum radeln, um den Platz zu bezahlen. "Das Besucherzentrum ist bereits da - ich bin das Besucherzentrum", sagt der Mann lachend. "Was für ein Service!", sagen wir grinsend. Wir können direkt bei ihm bezahlen. Das ist ja wirklich super. Wir plaudern ein bischen. Woher wir kommen, wohin wir heute fahren, usw.  "Ah, ihr habt die Palatschinken aus dem Handwerksladen. Die sind super! Gute Wahl", sagt der Mann. "Die werden euch viel Energie für heute bringen." Er verabschiedet sich und wir packen zusammen. Wir fahren noch die 2km bis ans Ende der Schlucht.

Dort gibt es einen kleinen See, wo sich angeblich die Hauptstadt der Elfen befindet. Die Schlucht gefällt uns außerordentlich gut. Birken in herbstlichen Farben und die Felswände. Auf dem See, der noch komplett im Schatten liegt, war teilweise noch dünnes Eis zu sehen. Wir schauen dann doch noch im Besucherzentrum vorbei. Einerseits gibt es dort ein kleines Museum zur Schlucht und andererseits gibts WLAN und wollen wir uns für Húsavik noch ein Zimmer buchen ;-) Nachdem wir beides erledigt haben, machen wir uns auf den Weg. Es geht heute vorwiegend die Küste entlang.

Nach 70km kommen wir in Húsavik an. In der Nacht schaut noch einmal das Nordlicht vorbei.

14.09.2023 Húsavik
Da wir noch genug Zeit bis zu unserer Heimreise haben, machen wir hier in Húsavik einen Tag Pause. Húsavik ist ein kleines, nettes Fischerstädtchen. Es ist ein bekannter Ausgangspunkt für Walsafaris. Der Ort ist vor kurzem durch einen Film über einen Bewohner, dessen Traum es ist einmal den Eurovisions Songcontest zu gewinnen, weltweit bekannt geworden (Stichwort: "Fire Saga"). Als wir auf Grimsey waren, hat uns unsere Mitbewohnerin über diesen Film erzählt und gemeint wir müssen uns diesen unbedingt anschauen, bevor wir nach Húsavik fahren. Das haben wir auch gemacht und waren sehr froh darüber. Sonst hätten wir zum Beispiel überhaupt nicht verstanden warum es in unserem Hotel eine Ausstellung über den Songcontest gibt und wieso die angrenzende Bar Ja Ja Ding Dong heisst. Außerdem war es ganz nett, die Orte aus dem Film wieder zu erkennen.  Das Whale-Watching  lassen wir aus. Dafür machen wir eine kleine Wanderung zum Botnsvatn.

Das hat uns der Rezeptionist als Alternativprogramm vorgeschlagen. Es ist herrliches Wetter. Die Sonne scheint und wir wandern auf einem einfachen Pfad neben einem Bach in der herbstlichen Landschaft zum See. Auf dem Rückweg haben wir einen netten Blick auf Húsavik und das Meer.

Wir stärken uns im Kaffeehaus, das wir von der Dame im Handwerksladen von Ásbyrgi empfohlen bekommen haben und gehen dann noch ins Walmuseum. Als wir wieder rauskommen, ist Húsavik in Nebel gepackt. Wir gehen ins nächste Café. Da ist der Tag auch schon wieder fast um. In einem kleinen, wirklich guten Fischlokal lassen wir den Tag ausklingen. Húsavik hat uns wirklich sehr gut gefallen, mit seinem kleinen Fischerhafen und den bunten Häusern in dem Fjord.

15.09.2023 Húsavik-Ljósvatn
Wieder scheint die Sonne. Bevor es losgeht, gehen wir noch in die Bäckerei auf was Süßes, denn wir haben heute Gegenwind-eine gute Ausrede :) Wir haben nach einigen Kilometern auf der Hauptverkehrsstraße wieder eine Alternativroute ausfindig gemacht. Die Brücke über den Fluss Skálfandafljót ist sehr schmal und für alle schweren und großen Autos gesperrt, daher ist hier überhaupt nichts los. Sehr angenehm. Unser Ziel heute heißt Godafoss-der Götterwasserfall. Er ist einer der bekanntesten Wasserfälle in Island und da wir sowieso fast vorbeikommen, wollen wir uns den anschauen.

Danach ist es nicht mehr weit zu unserer Unterkunft in einem Gästehaus.

16.09.2023 Ljósvatn-Akureyri
Wir schauen, dass wir heute früh loskommen. Ab Nachmittag soll es regnen und vielleicht schaffen wir es davor noch bis nach Akureyri, wo wir uns ein Apartment gemietet haben und einen Tag bleiben wollen. Um 8:15Uhr sind wir startklar. So früh waren wir noch nie unterwegs. Der direkteste Weg am Anfang führt über die Hauptverkehrsstraße 1. Da hier üblicherweise eher viel Verkehr ist, haben wir zwei Alternativrouten ausfindig gemacht. Erstaunlicherweise ist aber fast gar nichts los. Vermutlich weil wir so früh unterwegs sind. Daher beschließen wir, bis zur Umfahrung des Tunnels auf der 1er zu bleiben. Das spart uns viel Zeit und Kilometer.

Das Wetter ist gut, etwas bewölkt und etwas kälter, aber trocken. Für die Tunnelumfahrung in den Eyjafjördur, in dem Akureyri liegt, entscheiden wir uns für einen anderen Weg als bei der Fahrt nach Systragil. Der liegt weiter östlich, ist länger, führt dafür nicht über den Berg, sondern um ihn herum und ist ein neuer Weg, den wir noch nicht kennen. Es ist ein wirklich netter Abschnitt, neben einem Fluss entlang und praktisch ohne Verkehr.

Da der Fluss ins Meer mündet geht es tendenziell bergab. Nach der Tunnelumfahrung müssen wir in den Eyjafjord und auf die andere Seite des Fjords wechseln. Dann ist es nicht mehr weit bis ins Stadtzentrum von Akureyri.

Das war also die letzte wirkliche Rad-Etappe von unserer Islandtour. Kaum zu glauben. Es ist erst 14:00Uhr. Also gehen wir ins nächste Café und essen etwas. Das Apartment können wir sowieso erst später beziehen. Wir machen um 16Uhr auch noch einen kurzen Besuch bei der Bushaltestelle, wo morgen der Bus nach Reykjavik abfährt. Wir wollen uns einmal so einen Bus anschauen, wie denn hier die Fahrräder so transportiert werden. Der Bus nach Reykjavik steht bereits dort und wir fragen den Busfahrer, wie das so funktioniert. Die Räder kommen in den Laderaum. Es kann jedoch sein, dass ein kleinerer Bus kommt, dann könnte das schwieriger werden. Hmmm..und woher wissen wir welcher Bus kommt? Egal, wir schauen morgen vormittag nochmal vorbei, da kommt der nächste Bus. Mittlerweile hat es etwas zu regnen angefangen. Perfektes Timing also. Am Nachmittag sind wir einfach faul und genießen den Regen draußen von der Couch aus.

17.09.2023 Akureyri
Wir machen Pause in Akureyri. Wir gehen in die Bäckerei frühstücken und schlendern dann durch den Ort. Um 10Uhr gehen wir wieder zur Bushaltestelle und fragen den Busfahrer noch einmal wegen dem Rädertransport. Montag  sollte das kein Problem sein, da da üblicherweise viel weniger Leute mit dem Bus fahren. Okay, dann wird das schon klappen. Am Nachmittag sind wir einfach faul und richten nur unsere Sachen für den Bustransport am nächsten Tag her.

18.09.2023 Busfahrt Akureyri-Reykjavik
Der Bus fährt um 10:15 ab, also sind wir schon um 09:45 vor Ort. Es regnet. An der Bushaltestelle treffen wir auch den australischen Radler, den wir in Siglufjördur kennengelernt haben. Er fährt auch mit dem Bus. Als der Bus kommt, merken wir, das ist ein kleiner Bus. Hmmm... Schauen wir mal was der Busfahrer sagt. Nachdem der Busfahrer an alle Mitreisenden ein Ticket verkauft hat, kommt er zu uns und meint, er weiß nicht, ob er drei Räder mitnehmen kann. Wer reist denn hier mit wem? Ich reagiere sofort und sage, wir reisen alle gemeinsam, wo können wir die Räder verstauen? Er deutet auf zwei Abteile im Laderaum. Die können wir voll belegen, das andere Ladeabteil braucht er für das Gepäck der anderen Passagiere. Eines der Abteile ist von der Tiefe her nur die Hälfte der Tiefe des Busses, das andere ist wesentlich länger. Da Martin mit dabei ist, der Räder fast überall verstauen kann, sage ich "wir managen das". "Okay, aber ich fahre in 5min ab", sagt der Busfahrer. Sehr witzig. Martin baut in Windeseile Vorder- und Hinterräder aus und schafft es tatsächlich unsere beiden Räder in diesem Miniabteil unterzubringen. Ich stopf die Laufräder auf das Rad von dem Australier, der mir dann noch hilft alle unsere Taschen im Laderaum zu verstauen. Puh, wir habens in Rekordzeit geschafft.

Auf Martin ist jedenfalls Verlass beim Fahrrad-Verstau-Puzzle. Wir beziehen unseren Platz im Bus. 6 Stunden und 45min sind es bis nach Reykjavik. Einen Teil der Strecke, die wir nun mit dem Bus fahren, sind wir auf unserer Tour auch geradelt. Das ist immer spannend, wenn man da dann noch einmal vorbei kommt. In Reykjavik angekommen scheint die Sonne und es ist angenehm warm. Wir laden alles aus.

Als Martin mein Vorderrad rausnimmt hat dieses einen platten Reifen. Mist, das gibts`s doch nicht! Nach genauerem Hinsehen sehen wir, dass die Karkasse einen 3cm langen Schlitz hat. Der ist hin. Echt nervig, den habe ich doch erst in Selfoss neu gekauft. Das ärgert mich. Aber was solls. Es soll nix Schlimmeres passieren. Martin meint triumphierend er hat zumindest die "Tire boots" nicht 3000km umsonst mitgeschleppt. Das ist im Prinzip ein reissfestes Pickerl mit einem sehr starken Kleber. Das kann man innen über den Riss picken und damit kann man zumindest eine gewisse Zeit noch weiterfahren.  Also flicken wir damit schnell noch meinen Vorderreifen und wechseln den Schlauch. Wir tauschen noch Nummer mit dem Australier aus, da er auch noch ein paar Tage hier ist. Wir können uns ja mal auf einen Kaffee oder zum Essen treffen. Dann radln wir auf dem guten Radwegenetz durch Reykjavik zu unserem Appartment. In Reykjavik werden wir unsere Reise ausklingen lassen. Wir hoffen natürlich auch noch einmal auf Nordlichter. Ob wir hier noch welche gesehen haben, das berichten wir im nächsten Blog.

Gesamtkilometerstand: 3020km

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