50- FINNLAND DURCHQUERT
11.10.2019, katrin[at]lightriders[dot]info, martin[at]lightriders[dot]info
Unsere Route

5.10.2019
In dem schönen Haus in Sulkava wurde uns pünktlich um 8:30, wie ausgemacht, das Frühstück serviert. Das Besitzerpaar kam mit Körbchen und Thermoskanne und verwöhnte uns mit Frischem und Selbstgemachtem. Es gab warme Piroggen mit Schinken und Käse, Porridge, zubereitet aus dem Getreide des Nachbarn, selbstgepresster Ribiselsaft mit den Früchten aus dem eigenen Garten und ein frisch gebackenes Kakao-Heidelbeerküchlein. Es war ein Wahnsinn!

Wir packten wieder einmal unsere Sachen zusammen und während ich den Sand, den wir mit unseren Taschen, Überschuhen und Schuhen ins Haus getragen hatten, wegsaugte, nahm sich Martin seinem streikenden Umwerfer an. Irgendwas war verbogen und Martin brach kurzerhand ein Stück wegstehendes Metallteil ab und dann funktionierte es auch wieder- wie neu. Zwei Fliegen auf einen Streich: Schaltung funktioniert und Gewicht wurde auch noch gespart. So konnte es bei etwas besserem Wetter als gestern losgehen. Allerdings nieselte es immer wieder und so kamen wir auch heute nicht aus der Regenmontur. Da wir relativ spät starteten, kamen wir entsprechend erst gegen 15:00 in Juva, dem nächsten Zwischenstopp, an. Bis nach Mikkeli, dem nächsten Ort mit einer Unterkunft, waren es noch 50km. Es war unrealistisch dies bis Einbruch der Dunkelheit zu schaffen. Also entschieden wir uns am Campingplatz hier eine Hütte zu nehmen. Da die Rezeption nicht besetzt war, riefen wir bei der angegebenen Telefonnummer an. Wir sollten uns Hütte 10 nehmen. OK. Die Hütte war nicht geheizt, also drehten wir den Miniheizer mal voll auf. Auch die Gemeinschaftsküche war schon winterfest gemacht und es war entsprechend kühl. Immerhin, die Duschen waren beheizt. Da es noch recht zeitig war, mummelten wir uns einmal zum Aufwärmen in die Schlafsäcke. Daraufhin schliefen wir beide ein und wachten erst kurz vor 20Uhr wieder auf. Viel wärmer war es nicht in der Hütte geworden. Grrr.... naja, wir futterten Schinken-Käse-Brote und nach einer Dusche legten wir uns schlafen. Immerhin 13°C schaffte die Heizung in der Mini-Hütte, zumindest etwas wärmer als draußen.

6.10.2019
Heute hatte es am Morgen 6°C und es war bewölkt. Immerhin regnete es nicht gleich bei der Abfahrt. Über Forststraßen ging es nach Mikkeli, eine kleinere Universitätsstadt.

Wir machten Halt in einem Gastropub und überlegten wo wir heute nächtigen sollten. Da es nach weiteren 13km noch eine Übernachtungsmöglichkeit gab, entschieden wir uns dort hin zu fahren. So würden wir für die morgige Etappe schon etwas vorbauen. Wir buchten ein Zimmer und fuhren los. Und prompt fing es auch an zu regnen und wir mussten uns doch tatsächlich noch das Regengewand anziehen. Bei der Unterkunft angekommen, bekamen wir wie schon in Savukoski ein Frühstückskörbchen für morgen mit. Das Zimmer tat seinen Zweck, hätte aber ruhig sauberer sein können. Immerhin, es war diesmal schön warm.

7.10.2019
Wir frühstückten unser Frühstück aus dem Körbchen. Und so wie es sich gehört, machte ich mir den mitgelieferten Filterkaffee- einmal muss man das ja probieren. Röstgrad 1- definitiv kein Muntermacher. In der Nacht hatte es ordentlich geregnet. Bei der Abfahrt war es allerdings trocken. Tja, nach 10km änderte sich das und wir durften wieder unser Regenzeug anziehen. Wir mussten uns dann auch 5km mit vielen Autos die Hauptstraße 5 teilen. Das war gar nicht angenehm und schon gar nicht bei Regen und nasser Fahrbahn, wenn die LKWs dann auch noch eine Sprühnebelfontäne hinterherziehen. Offensichtlich war die Hauptstraße neu gebaut worden und die alte Straße verlief über sehr weite Strecken parallel dazu. Mal in besserem mal in schlechterem Zustand. Uns wars egal, Hauptsache nicht auf der 5er. Manchmal fuhren wir direkt neben der Hauptstraße, das war dann eher fad. Dann wieder radelten wir auf einer idyllischen Forststraße durch den Wald. Einmal wurde es abenteuerlich. Wir standen mitten auf einer Motocrossstrecke- interessant. Aber der Zaun, der die alte Straße begrenzte, hatte hier ein Tor- Glück gehabt. Ein weiteres Mal war offensichtlich das Teilstück der Straße schon sehr, sehr lange nicht mehr befahren und wir radelten auf einem sehr bewucherten dadurch aber netten Weg.

So schlängelten wir uns einmal links und einmal rechts an der unwirtlichen 5er vorbei. Nach 35km machten wir nur zur Nahrungsaufnahme kurz Pause bevor es gleich wieder weiter ging. Wir fuhren hier auf einer Museumsstraße, die schon im 15. Jahrhundert als Verbindung zwischen Kuortti und Savonlinna diente. Hier standen auch noch alte "Meilensteine" herum.

Nach knappen 70km trafen wir in Heinola ein. Hier gab es aber nicht wirklich was zum Übernachten- nur ein eher teureres Spa-Hotel. Das brauchts nun wirklich nicht. Also haben wir so am Gehsteig nach Unterkünften gesucht. Da kam eine ältere Dame vorbei und sprach uns auf Englisch an. Sie wollte uns offensichtlich helfen, aber ihr viel auch nichts anderes als dem Hotel ein. Sie erzählte uns dann auch noch auf Finnisch-Englisch-Mix, dass sie als sie 49 war (vor 30 Jahren) auch viel mit dem Rad unterwegs war: von San Sebastian nach Barcelona. Ja, da war es wohl wärmer als momentan. Sie merkte auch an, dass es momentan zu kalt ist zum Radln. Nachdem Martin ein Bed & Breakfast gefunden hatte, noch 5,5km weiter, war sie beruhigt und wir durften weiterfahren. Wir hatten Glück und auf den letzten 2km schüttete es noch einmal so richtig. Mir kam schon seit geraumer Zeit mein Hinterrad schwammig vor, aber Patschen hatte ich keinen. Das werden wir uns morgen bei Tageslicht ansehen. Mittlerweile war es doch schon dämmrig als wir bei unserer Bleibe für heute ankamen. Waren wir froh, dass wir eine warme Unterkunft hatten. Wir genossen beide eine lange heiße Dusche. Heute musste unser letztes Turmat, das ich als Notreserve seit Saariselkä mitschleppe, daran glauben. Wir waren beide ziemlich kaputt. Immerhin waren es heute 95km.

8.10.2019
Nach einem Frühstück wurde einmal mein Hinterrad genauer unter die Lupe genommen. Bis auf eine Stelle im Reifen, die danach aussah, als ob der Reifen dort platzen könnte, war nichts zu sehen. Naja, der wird wohl noch bis Helsinki durchhalten. Heute sind wir schlauerweise gleich im Regengewand losgefahren.

Der nächste größere Ort war nur 30km entfernt, Lahti. Lahti kennt man vom Wintersport. Nachdem wir uns dort in einer Konditorei gestärkt hatten, radelten wir zu einem Supermarkt. Auf dem Weg dorthin kamen wir auch noch bei den 3 Sprungschanzen vorbei. Die sind wirklich nicht zu übersehen.

Wir wollten noch einmal zelten und Grillwürstel/Grillkäse grillen also besorgten wir uns dafür entsprechendes Grillgut. Die Wettervorhersagen sahen eigentlich gut aus. Es sollte heute nicht regnen und auch keine Minusgrade bekommen. Tja, Punkt eins war spätestens als wir den Supermarkt verlassen hatten überholt. Es schüttete. OK, dann warten wir eben. In dieser Zeit sprach uns ein Finne an, da er meine Fahnen gesehen hatte. Er hieß uns in Finnland willkommen. Sehr nett! In einer Regenpause beschlossen wir weiterzufahren. Nach 500m fing es wieder an zu regnen. Da der Himmel bereits wieder lichter wurde, warteten wir den Schauer unter einem Baum ab. Danach ging es 29km weiter bis mich Martin bat bei der nächsten Möglichkeit stehen zu bleiben. Bei der nächsten Einfahrt auf der 140er blieb ich stehen. Was ist denn? Mein Hinterreifen hatte eine Beule- der Reifen war gerissen und der Schlauch quoll heraus. Mann, es waren glaub ich noch 5km bis zu unserem Zeltplatz.

Martin griff wieder in seine Trickkiste und flickte den Reifen notdürftig indem er das Loch im Reifen von innen mit einem Stück alten Schlauch verschloss. Mit dementsprechend wenig Reifendruck rollte ich halt bis zu dem Zeltplatz weiter. Eine Feuerstelle gab es, trockenes Holz auch und einen ebenen Zeltplatz- am Rande eines Fußballfeldes. Nein, heute zelten wir nicht im Strafraum- viel zu gefährlich. Wir stellten rasch das Zelt auf und ich machte Feuer während Martin die Isomatten aufblies und die Schlafsäcke aufflauschte. Es blieb doch tatsächlich trocken und sogar die Sterne schauten seit langem wieder einmal bei uns vorbei. Wir grillten unsere Grillwürstel und den Grillkäse. Ein Mäuschen huschte auch vorbei. Die wollte wahrscheinlich was von meinem Käse, aber da bin ich egoistisch, den esse ich alleine. Es soll ja keine Minusgrade bekommen, trotzdem installierten wir das Thermometer und legten uns schlafen. Als ich um 2:00 mal aus dem Zelt musste, da glitzerte alles um mich- Raureif und -0.6°C. Mir war aber mollig warm im Schlafsack. Irgendwann ganz früh am Morgen, es war noch dunkel, stolperte was über unsere Spannleine des Zelts. Schlaftrunken weiß ich nicht wer oder was es war, ich hörte nur Geschnüffel und sah, wie jemand unser Zelt anleuchtete. Ich nehme an, jemand war mit dem Hund spazieren, aber genau weiß ich es nicht.

9.10.2019
Um 8:00 wachten wir auf. Ein Blick aufs Thermometer. Die Mindesttemperatur außen: -4,4°C. Da sieht man wieder einmal wie man sich auf die Wettervorhersage verlassen kann. Das Zelt war innen und außen voller Frost aber mir war kuschelig warm gewesen. Hätte ich nicht gedacht. Entweder habe ich mich mittlerweile akklimatisiert oder alles beim Schlafsackschlafen richtig gemacht... Egal. Es war kalt am Morgen und wir beschlossen nur einen heißen Tee zu machen. Also Martin machte den Tee und ich räumte alles zusammen. Das Zelt wurde halb gefroren zusammengepackt und wir hinterließen, so wie es sich gehört, außer einem Häufchen Schnee vom Überzelt keine Spuren. Martin hat nochmal Kabelbindertrick die 2. bei meinem Hinterreifen angewandt. Ich muss noch 15km bis zum nächsten Ort durchhalten. Dort soll es ein Geschäft geben.

Zum Aufwärmen nach dem Zeltabbau und Zusammenpacken liefen wir noch eine Runde um den Fußballplatz. Half auch nix bei mir. Und so starteten wir um 10:15 bei mystischer Stimmung im Nebel. Es sah wirklich toll aus. Nebel und die herbstlich gefärbten Bäume.

Mein Reifen hielt tatsächlich noch die 15km nach Mäntsälä durch und im Citysupermarkt gab es alles, auch einen Billigsdorferreifen für mich. Mittlerweile verzog sich der Nebel, die Sonne kam heraus und wir tauschten den kaputten Reifen gegen den Neuen- im Sonnenschein. Beim nächsten Tankstellencafé gab es ein Frühstück für uns und wir organsierten uns ein kleines Apartment in Helsinki. Tja, dorthin müssen wir heute noch kommen. Wir fuhren also die 140er entlang. Leider wurde der Verkehr immer dichter und gar kein Spaß. Martin suchte eine Alternativroute und ab 35km vor Helsinki konnten wir alles auf Radwegen zu unserer Unterkunft fahren. Es zog sich gewaltig. Der neue Reifen greift mehr als er soll und dementsprechend anstrengend und langwierig waren die letzten Kilometer. Aber die schaffen wir auch noch. Jetzt waren es noch 8km und da stand plötzlich das Ortschild von Helsinki. Hier mussten wir natürlich noch für ein Erinnerungsfoto anhalten. So viel Zeit muss sein.

Weiter ging es teils auf sehr netten Radwegen durch kleine Wäldchen und Parks, über und unter Autobahnen, durch Wohnsiedlungen und endlich nach insgesamt 75km kamen wir bei unserer Unterkunft an. Wir sind in einem super netten Apartment etwas außerhalb von Helsinkis Zentrum untergekommen. Wir sind froh, genießen eine heiße Dusche und freuen uns, dass wir hier fünf Nächte bleiben und nicht jeden Tag unsere Taschen packen müssen. Wir wollen uns Helsinki anschauen und lassen uns überraschen. Die einen finden es eine coole Stadt und die anderen finden es hässlich. Wir werden uns selbst ein Bild machen. In jedem Fall haben wir unser Etappenziel Helsinki erreicht und damit Finnland durchquert. Hier werden wir entscheiden wie es weiter geht.

Gesamtkilometerstand: 8718km

Top Übersicht
© lightriders.info, Impressum