49- WINTERGRÜSSE, KALTE FÜSSE
4.10.2019, katrin[at]lightriders[dot]info, martin[at]lightriders[dot]info
Unsere Route

30.9.2019
Heute wird sich herausstellen, ob und wann wir einen Ersatz für Martins kaputte Felge auftreiben können. Dazu wurden noch Fürbitten an den Radlgott gerichtet.

Oder vielleicht doch wieder ein komplett neues Rad? Aufgrund der suboptimalen Größe kam dieses Gefährt, Modell "Riesenrad“, leider nicht in Frage.

Nachdem die Geschäfte hier meist erst um 10:00 aufsperren, hatten wir genug Zeit, um uns in einer Bäckerei gleich ums Eck ein gutes Frühstück zu genehmigen. Danach machten wir uns auf den Weg zum ersten Fahrradgeschäft. Wir waren fünf Minuten zu früh dran und es war noch nicht geöffnet. Gleich in der Nähe gab es aber noch ein Radgeschäft- bei diesem rechneten wir uns noch die größte Chance aus, dass wir erfolgreich sein könnten. Also fuhren wir zuerst dort hin. Die Auslage sah vielversprechend aus. Leider, sie hatten keinen Ersatz und bestellen würden sie momentan auch nichts. Dafür bekam Martin einen Tipp für einen finnischen Online Shop. So radelten wir wieder zurück zu dem ersten Geschäft, das mittlerweile auch schon geöffnet hatte. Wie erwartet hatten die auch nichts für uns. Aber der Verkäufer war so nett und schrieb Martin noch die Adresse eines kleinen Geschäfts im Zentrum auf. Das sollte auch viele Laufräder vorrätig haben. Wie wir auf dem Plan feststellten, war dies gleich in der Nähe von unserem Hotel. Bevor wir allerdings dorthin radelten, schauten wir noch in einem Elektrogeschäft vorbei und Martin konnte seine verloren gegangene Stativhalterung für seine GoPro ersetzen. Die Auswahl an Kompaktkameras war hingegen sehr limitiert und bevor ich mir jetzt unüberlegt eine neue kaufe, wollte ich zuerst versuchen ob man meine nicht doch noch retten könnte. Aber Martins Felge war wichtiger- sonst läuft nämlich gar nichts mehr. Das empfohlene Radgeschäft entpuppte sich als Kellerlokal in einer Art Garage und an dem Tor klebte ein kleiner Zettel. Geöffnet 12-17 - soweit reichten auch unsere Finnischkenntnisse aus, um das zu verstehen. Es war gerade einmal 11:00 und so konnten wir eines der Kaffeehäuser aufsuchen, die auf meiner Testliste standen. Da Joensuu eine Universitätsstadt ist, gibt es hier eine Vielzahl an entzückenden Cafés. Das haben wir beim gestrigen Herumschnurchteln gesehen. Und einige davon wollen natürlich von mir getestet werden. Also gingen wir ins Taitokortelli, dem Handwerks- und Kulturquartier wo noch die alten Holzhäuser standen, und konnten uns bei so viel guten Torten und Kuchen fast nicht entscheiden. Die Stunde ging rasch um und wir schauten noch einmal bei der Radlwerkstatt/Garage vorbei. Es war geöffnet. Viele Räder, Einzelteile und auch Werkzeug gab es dort. Ein für uns passendes komplettes Hinterrad gab es hingegen nicht, aber eine Felge im passenden Durchmesser, nämlich 27,5 Zoll, wurde stolz geschwenkt. Martins Frage darauf hin: "Ist das eine 28 Loch-Felge?" Leider nein, die hatte 32 Loch, also keine Chance, die mit der vorhandenen 28-Loch Nabe zu verheiraten. Der Mechaniker telefonierte noch herum, ob sich eine 27,5" Felge mit 28 Loch in Joensuu auftreiben lässt aber ohne Erfolg. Aber er hätte eine passende Nabe und er könnte die neue Felge mit der neuen Nabe innerhalb einer Stunde zusammenbauen. Eine neue Bremsscheibe war dann allerdings auch fällig, denn die alte hatte natürlich einen anderen Befestigungsstandard und passte nicht auf die neue Nabe. Aber auch diese war im passenden Durchmesser lagernd. Nachdem wir noch kurz gecheckt haben, ob die neue Nabe auch wirklich in den Hinterbau passte (das ist heutzutage auch nicht so selbstverständlich) erteilte Martin den Auftrag für den Laufradbau. Wir machten uns in der Zwischenzeit daran, das alte Laufrad zu zerlegen. Unsere Behelfsreparatur hatte ca. 70km Fahrt überstanden und sah eigentlich noch ganz gut aus.

Die Speichen wurden fein säuberlich aus dem Laufrad gelöst und gemeinsam mit der Nabe und der Bremsscheibe nach Wien geschickt, die Teile waren ja noch in Ordnung und in gutem Zustand. Bei uns wird schließlich nix vergeudet und schon gar keine Fahrradteile! Zu guter Letzt wurde auch noch der alte Hinterradreifen ausgetauscht, da dieser schon einige Schnitte auf der Lauffläche hatte, durch die der Schlauch bereits zu sehen war. Ein neues Hinterrad aus passenden Einzelteilen würde uns natürlich teurer kommen als wenn wir nur eine passende Felge besorgen würden. Aber da wir die erst bestellen, darauf warten und dann noch irgendwie umbauen müssten, würden wir mit den Kosten für zusätzliche Übernachtung etc. mindestens genauso viel ausgeben. Und so könnten wir demnächst weiterradeln und das Problem wäre gelöst. Nach insgesamt zirka zwei Stunden und einigen Geschichten über Wölfe, Bären und Ausflüge nach Russland hatte Martin wieder ein funktionierendes Hinterrad.

Wir radelten wieder zum Hotel zurück und widmeten uns meinem Problem, der kaputten Kamera. Wir rauschten in das erste Fotogeschäft und ich fragte ob sie vielleichte einen Trick kennen, um das steckengebliebene Objektiv zu reparieren. Nein, üblicherweise würde in so einem Fall das Objektiv getauscht werden, wenn das auf Grund des Alters der Kamera überhaupt noch möglich ist. Die Dame war sehr nett und wir testeten noch mit einem neuen Akku, ob es vielleicht daran liegen könnte. Leider nein. Ich ließ mir noch zwei andere Kompaktkameras zeigen die sie dort auf Lager hatten. Ich wollte mich aber nicht sofort entscheiden. Auch im zweiten Fotogeschäft fragte ich nach. Mit ähnlichem Ergebnis. Ich hatte recherchiert, dass manchmal nur der Kontakt verdreckt ist und das relativ einfach zu beheben wäre. Dazu benötigte ich erst einmal einen kleinen Kreuzschlitzschraubenzieher. Also ab in den Baumarkt- den kennen wir ja bereits. Dort haben wir neben einem Minischraubenzieherset (um 4,- €!) gleich auch noch eine Packung Kabelbinder mitgenommen- wie man gesehen hat kann man die immer gut gebrauchen. Danach noch zur Tankstelle, um mit Druckluft mal in alle möglichen Ritzen der Kamera hinein zu pusten. Das sollte eventuell festsitzende Sandkörner etc. entfernen. Bei mir half das leider nix. Dann sind wir auch gleich noch weiter zur Post gegangen und haben eine Versandbox für die Fahrradteile besorgt. Zur Stärkung für zwischendurch lag wieder ein von mir ausgewähltes Kaffeehaus auf dem Weg, dem wir sogleich einen Kurzbesuch abstatteten. Danach ging es zurück ins Hotel. Der Fotoapparat wurde aufgeschraubt und die Kontakte überprüft. Leider half das auch nicht. Es wäre jetzt natürlich möglich den ganzen Fotoapparat zu zerlegen. Dank Internet findet man für alles eine Anleitung und da die Kamera schon zu alt ist, um sie beim Hersteller einzuschicken ist das definitiv eine Option. Aber hier habe ich dafür keine Geduld. Also schick ich auch gleich die Kamera mit der Post nach Hause. Darum kümmere ich mich, wenn ich wieder zurück bin. Für einen Ersatz zu sorgen konnte ich mich nicht durchringen. Es ärgert und wurmt mich, dass ich nun keine schnell greifbare Kamera mehr habe, schließlich waren 80% der Fotos für den Blog damit entstanden. Aber jetzt eine neue zu kaufen widerstrebt mir, da ich in jedem Fall einen Kompromiss eingehen müsste. Denn das was ich gerne hätte gibt es hier nicht und einfach nur die Billigste zu nehmen find ich auch blöd. Also entschied ich mich dazu mir keine neue Kamera zu nehmen. Jetzt muss halt die GoPro für die Fotos her- die sind halt wegen des Weitwinkels sehr verzogen. Und für die sonstigen Landschaftsfotos untertags ist Martin von nun an zuständig. Meine Zweitkamera, die ich des Nordlichts wegen mitschleppe, ist in einer Packtasche verstaut und damit nicht schnell erreichbar. Alles nicht optimal aber damit müssen wir uns ab nun zufriedengeben. So konnten wir heute zumindest ein Problem- und auch das essentiellere- lösen. Es kann also prinzipiell weiter gehen. Es wurde noch die Wäsche gewaschen und getrocknet. Das dauerte und wir kamen erst weit nach Mitternacht ins Bett.

1.10.2019
Wir hatten von den Wettervorhersagen bereits gesehen, dass für heute äußerst schlechtes Wetter angesagt ist. Regen den ganzen Tag und nachmittags Starkregen. Wir überlegten wie wir unsere Route anlegen könnten. Eine Möglichkeit wäre nur 30km nach Liperi zu fahren, aber irgendwie hatten wir beide gar keine Lust. Also verlängerten wir um einen Tag. Wir gingen noch trockenen Fußes zur Post und gaben das Packerl mit den Fahrradteilen und meiner Kamera auf. Danach ging es auf ein Frühstück ins Café.

Kaum als wir zurück im Hotel waren fing es auch schon an zu regnen.

Waren wir froh- wir dachten schon wir hätten uns falsch entschieden. Wir konnten in Ruhe alles zusammenpacken, am Nachmittag noch einen Kaffeehausbesuch machen und im Supermarkt einkaufen.

Den Rest des Tages waren wir einfach nur froh im warmen und trockenen Hotelzimmer sein zu können. Die Aufzeichnungen wurden aktualisiert und einfach einmal gefaulenzt und fern gesehen während es draußen schüttete.

2.10.2019
Wir standen um 7:00 auf und hatten heute vor bis nach Enonkoski zu kommen. Dort gibt es in jedem Fall eine Übernachtungsmöglichkeit, aber die Entfernung von hier beträgt immerhin über 100km. So weit sind wir schon lange nicht mehr an einem Tag geradelt. Wir wollten also früh genug starten und somit waren wir bereits um 8:45 startklar. Das war auch genau der Zeitpunkt zu dem es zu nieseln angefangen hatte. Eh klar! Eigentlich waren die Wetterprognosen für heute nicht so schlecht und wir fuhren, in der Annahme, dass es sofort wieder aufhören würde, los. Nachdem das nicht der Fall war, entschlossen wir uns doch nach 5km das Regengewand anzuziehen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, dass wir es heute auch nicht mehr ausziehen würden.

Wir hatten teilweise Rückenwind, das half enorm. Nach ca. 30km erreichten wir den kleinen Ort Liperi. Dort machten wir beim örtlichen Supermarkt Halt und stärkten uns. Wirklich warm war es nicht, meine Zehen waren wieder einmal Eiszapfen. Nach einer kurzen Überwindungsphase starteten wir erneut. Es ging erstaunlich gut heute und da es auch eher kühl war, schwitzten wir auch nicht in unserer Regenkluft. Wir rollten flott mit einem Durchschnitt von >18km/h dahin und schon um 13:00 hatten wir die Hälfte geschafft. Pausen machten wir so gut wie gar keine- höchstens kurz zum Teetrinken oder Apfel essen. Es nieselte und nieselte. Um 14:00 hätte es eigentlich aufhören sollen. Das stimmte zwar aber die Regenpausen waren, wenn überhaupt, nur von äußerst kurzer Dauer. Obwohl wir uns in dieser Nieselwolke bewegten, war es durch die gelb leuchtenden Birken doch sehr farbenfroh.

Ich hatte durch diesen hellen gelben Farbschimmer der Bäume immer den Eindruck als ob gleich die Sonne hervorkommen würde. Es blieb bei dem Eindruck. Erstaunlicherweise machte mir das heute gar nichts aus. So lange ich mich bewegte war mir auch nicht kalt. Aber wehe, wenn ich stehen blieb. Da reichen zwei bis drei Minuten aus und ich bekomme sofort Eiszehen und -finger. Dann dauert es wieder eine Zeit lang bis sich wieder alles aufwärmt. Heute mussten wir auch das erste Mal hier in Finnland eine Fähre benutzen. Das Timing war perfekt. Wir rollten auf die Fähre und sie legte ab. Die Fähre war Teil des Straßennetzes und daher kostenlos.

Um kurz vor 17:00 erreichten wir Enonkoski und wir entschieden uns sofort zum Hotel zu fahren das es hier geben sollte. Schon das Informationsschild machte auf mich einen eher verlassenen Eindruck. Das Hotelgebäude sah ebenfalls so aus, aber wir konnten den Zettel an der Tür soweit übersetzen, dass der Hotelbetrieb ganzjährig verfügbar wäre. Die Türe war versperrt und demnach sollte man wahrscheinlich die angegebene Telefonnummer wählen. Bevor wir das taten, weil es jetzt nicht wirklich einladend aussah, checkte Martin noch im Internet nach möglichen Alternativen. Siehe da in 1,3km gäbe es noch ein freies Zimmer. Martin buchte es gleich und wir radelten los. Mittlerweile war uns beiden durch das Herumstehen bei dem Hotel kalt. Bei der angegebenen Adresse stand leider keine Hausnummer dabei. Wir verglichen den Lageplan mit unserer Position und die Fotos auf der Website mit dem Haus, vor dem wir standen. In dem Moment, an dem wir zu dem Schluss kamen, dass wir vermutlich vor dem richtigen Haus standen, kam zufällig die Hausbewohnerin heraus da sie wegmusste. Martin fragte nach und ja, wir wären richtig. Wir wurden sofort nett hereingebeten und für mich wurde die Sauna eingeheizt. Nachdem wir unsere sieben Sachen trockengelegt hatten und unser Zimmer bezogen und uns geduscht hatten, wurden wir eingeladen es uns im Wohnzimmer gemütlich zu machen. Während ich mich in der Sauna aufwärmen konnte, unterhielt sich Martin mit Timo unserem Gastgeber. Wir wurden mit frisch gemachten Palatschinken verwöhnt! Hmmm...so etwas hatten wir schon lange nicht mehr. Als Inga, unsere Gastgeberin, wieder zurückkam, verbrachten wir noch einen äußerst netten Abend gemeinsam. Wir zeigten unseren Blog her und erfuhren einiges über die Schriftstellerei. Timo ist Autor von mittlerweile 4 Büchern und es war äußerst spannend zu hören wie man sich die Entstehung eines Buches vorstellen kann.

3.10.2019
Da wir heute nur bis Savonlinna radeln wollten (40km), mussten wir nicht so früh aufstehen und daher frühstückten wir gemeinsam mit Inga und Timo um 9:00. Uns wurde ein tolles Frühstück bereitet. Von karelischen Piroggen mit Eierbutter- wie man sie traditionellerweise isst- über Gemüse und Spiegelei mit Würsterln, Müsli und Joghurt und frischen Früchten- es gab einfach alles was das Herz begehrt. Es war schön gemeinsam zu frühstücken. Wir bekamen auch noch Tipps für unsere Weiterfahrt. Wir haben nun die unterschiedlichsten Ideen für unsere Weiterfahrt bekommen: sei es über das Baltikum oder über Schweden. Wir werden schlussendlich sehen wohin uns unser Weg führen wird. Der nächste Fixpunkt ist definitiv einmal Helsinki. In jedem Fall danken wir Inga und Timo für die nette Zeit bei ihnen und die interessanten Gespräche. Wir hoffen, wir sehen uns in Finnland oder auch in Wien wieder!

Bei trockenem und kurz sogar sonnigem Wetter radelten wir vorwiegend über Forststraßen Richtung Savonlinna.

Hier nahmen wir uns nach einem Besuch im Kaffeehaus ein Hotelzimmer und machten noch einen kleinen Spaziergang. Savonlinna liegt eigentlich auf mehreren Inseln im Saimaasee- ein wunderschönes Panorama.

Das Wahrzeichen hier ist aber die Burg Olavlinna aus dem 15. Jahrhundert. Sie wurde damals als Sicherung der Ostgrenze von Schweden erbaut. Heute finden dort im Sommer Opernfestspiele statt und es muss ein tolles Ambiente sein. Leider war die Burg heute bereits geschlossen.

4.10.2019
Wie wir bereits aus der Wetterprognose wussten, begrüßte uns der Morgen heute mit dicken, weißen Schneeflocken, die vom Himmel schwebten. Es sah zwischenzeitlich aus wie in einer Schneekugel.

Wir gingen zunächst einmal frühstücken. Kurz überlegten wir, ob wir das Radeln heute vielleicht besser bleiben lassen sollten. Aber andererseits waren wir der Meinung, dass Schnee immerhin besser als Regen sei und wir ja keine totalen Weicheier sind. Bei Schönwetter kann ja schließlich jede/r radln. Also rein in die volle Montur und los. Bei teilweise dichtem Schneefall verließen wir Savonlinna. Die herbstlich gefärbten Bäume im Schneefall, irgendwie wars idyllisch.

Praktisch hier in Finnland ist, dass es in jedem Ort und in jeder Stadt Radwege gibt. So konnten wir entspannt Savonlinna verlassen und bogen schon bald auf eine Forststraße ab. Das hatte den Vorteil, dass wir praktisch allein unterwegs waren und durch den winterlichen Wald radelten. Der Nachteil: die Hügel fielen hier steiler aus als üblich und der Untergrund ließ uns langsamer radln.

Nach 30km erreichten wir wieder eine Asphaltstraße. Martin sah, dass es in 7-8km einen Ort mit einem Café geben sollte. Nichts wie hin zum Aufwärmen. Nur kurze Zeit später war es offensichtlich auch Martins Umwerfer zu kalt geworden. Er streikte. Martin versuchte noch das Problem zu beheben, beschloss jedoch ab jetzt einfach nur mit einem Kettenblatt aus zu kommen. Beim nächsten Straßenschild stellte sich heraus, dass es doch noch 12km bis Sulkava waren. Hier gab es offenbar zuvor ein kleines Problem mit der Ablesung des korrekten Kartenmaßstabes in der Navigationsapp am Handy. Grrrrr....so etwas kann ich gar nicht leiden. Durch die Reparaturpause zuvor waren meine Finger und Zehen eiskalt. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die wasserdichten Handschuhe tatsächlich wasserdicht waren. Was für eine Schnapsidee bei diesem Wetter zu radln! Von der anfänglichen Idylle war nix mehr zu merken. Aber, das haben wir uns beide so ausgesucht. Die nächste verfügbare Unterkunft wird angesteuert, koste es was es wolle! Irgendwann erreichten wir doch Sulkava und das Café. Nachdem wir uns aus der Regenmontur geschält hatten, merkte ich, dass meine Regenjacke offensichtlich nicht mehr ganz dicht ist und mein Leiberl drunter links und rechts des Reißverschlusses nass ist. Na toll- jetzt fängt wirklich langsam an alles der Reihe nach den Geist aufzugeben. Naja, zuerst gibt es Kaffee und Kuchen. Und nachdem hier auch die Touriinformation ist, warf ich einen Blick in die Informationsmappe. Ha! Hier gibt es sogar vier Unterkunftsmöglichkeiten. Da wird sich doch ein warmes, trockenes Zimmer für uns finden lassen. Wir riefen bei der ersten Möglichkeit an- nichts. Na gut, dann fahren wir halt vorbei. Da war aber niemand. Also riefen wir nochmals an. Wieder nichts. Na dann zur zweiten Übernachtungsmöglichkeit. An der Tür stand wieder eine Telefonnummer. Wir wählten wieder. Wieder hob niemand ab. Jetzt blieb noch eine dritte Variante. Wir bogen bei dem Hinweisschild auf den Hof ein und orientierten uns. Da muss man wahrscheinlich auch anrufen. Ich wollte gerade im Internet nach der Telefonnummer suchen, da kam aus dem Nachbarhaus ein Mann und sprach uns an. Er war der Besitzer. Ja, wir können gerne hierbleiben. Wir haben Glück, es ist sonst niemand da. So haben wir das ganze Haus für uns. Es ist ein schönes, renoviertes altes Holzhaus, das eigentlich mehr wie eine kleine Jugendherberge aufgebaut ist. Mehrere Zimmer, eine Gemeinschaftsküche und Gemeinschaftsbäder. Wir finden es zwar etwas teuer, aber in unserem Fall haben wir ja alles für uns und Frühstück bekommen wir morgen auch serviert. Es ist in jedem Fall sehr gemütlich. Nachdem wir unsere Taschen vom Sand der Forststraße und dem Schneematsch befreit hatten, genehmigten wir uns eine heiße Dusche. Dann ging es ab in den Supermarkt um uns etwas Essbares zu organisieren. Morgen soll das Wetter deutlich besser werden. Wir werden sehen. Wir hoffen, dass unsere Sachen bis morgen trocknen.
Hier in Finnland heißt unser Ziel jedenfalls Helsinki. Wie es dann weitergeht? Wir werden sehen und unsere Füße befragen.

Gesamtkilometerstand: 8375km

Top Übersicht
© lightriders.info, Impressum