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INSELSPRINGEN IM NORDATLANTIK TEIL 2
Von Moskenes nach Selfjord
1.7.2019, katrin[at]lightriders[dot]info, martin[at]lightriders[dot]info
Unsere Route

In Moskenes kamen wir nach einer ca 1stündigen Fährfahrt von Værøy in der Nacht auf den 27.6. um 0:00 Uhr an.

Es nieselte und wir folgten daher dem nächsten Campingplatzschild das uns über den Weg lief. Dort angekommen  sahen wir die Zelte in Reih und Glied aufgestellt wie die Sardinen in der Dose. Nein, also das wollen wir gar nicht, so einen Auflauf. 5km weiter, am Ende der Strasse in Å sollte es auch einen Campingplatz geben. In der Hoffnung, dass dort weniger Rummel ist, machten wir uns bei dem eher bescheidenen Wetter so gegen 0:30Uhr auf den Weg nach Å. Der Vorteil: fast kein Autoverkehr. In Å angekommen sahen wir auch schon auf dem Wegweiser zum Campingplatz, dass das Symbol für das Zelt durchgestrichen war. Interessant. Auf dem Campingplatz angekommen prangten uns auch schon Warnschilder entgegen: "Warning: Don't tent!" Also blieb uns wohl nichts anderes übrig als wieder zurück zu dem anderen Campingplatz zu fahren. Es gab zwar jede Menge an Zimmer/Fischerhütten zu mieten nur hätte man da eine Telefonnummer anrufen müssen und um 1:00 Uhr früh hatten wir da doch Skrupel. Wieder zurück auf dem Campingplatz bei Moskenes angekommen erkundeten wir einmal die Eingangstür der Rezeption nach Informationen wo man das Zelt aufstellen dürfe. Auch hier war eine Telefonnummer angegeben- aber üblicherweise funktioniert das so, dass man bei später Anreise sein Zelt aufstellt und am nächsten Morgen einfach Bescheid gibt, dass man letzte Nacht ankam und die Nacht bezahlt. Nachdem der eine der drei Zeltplätze am Campingplatz schon fast voll war, erkundeten wir die anderen zwei. Einer war vom Regen üerschwemmt und der dritte eine abschüssige Wiese, die ich niemals als Zeltplatz bezeichnen würde. Nun gut wir fanden noch am letzen Eckerl ein Platzerl....

Beim Zeltaufstellen wurde im Nachbarzelt auch schon kräftig gesägt. Wir mussten ein Lachen unterdrücken (es war ja schon zirka 2:00 morgens), bisher waren wir es gewohnt den Zeltplatz für uns allein zu haben. Hier gab es eine andere Art der Idylle: die Möwen kreischten um die Wette mit dem Schnarcher neben uns und am frühen Morgen pünktlich ab 7:00 hatten einige Zeltplatzbenutzer nichts besseres zu tun als sich die gegenseitigen Befindlichkeiten quer über den Platz zuzubrüllen. Es lebe die Campinghauptsaison! Als wir uns um ca. 9:30 Uhr in der Rezeption registrieren wollten, wurden wir äusserst forsch darauf hingewiesen, dass der Platz ab 23:00 gesperrt ist, ob wir das nicht gesehen hätten. Nein, lediglich, dass die Rezeption nur bis 22 Uhr besetzt ist und eine Telefonnummer die wir allerdings um 2 Uhr in der Nacht nicht mehr anrufen wollten als wir von Å kamen. Eigentlich wollten wir noch eine weitere Nacht bleiben- aber daraufhin entschied ich mich um und annullierte die 2. Nacht perplex darüber, dass wir angepflaumt wurden weil wir so ehrlich waren und nachträglich für 6 Stunden Zeltplatz bezahlten. Wohlgemerkt ohne die Serviceeinrichtungen nutzen zu können da diese Türen durch Nummerncodes gesichert sind. Ich meinte nur, dass dies hier nicht gerade kundenfreundlich sei und unsere Vorgehensweise bis jetzt immer die Übliche war. Wir hatten eigentlich nur Skrupel um 2:00 Uhr anzurufen da es ja noch einen freien Zeltplatz gab und wir uns ordnungsgemäß verhalten hätten. Ziemlich wütend packten wir alles zusammen. Lustigerweise trafen wir auch den Münchner von Værøy hier wieder. Er hatte ein Problem mit seinem Rad und Martin half ihm noch mit Rat und unseren zwei Ersatzschaltröllchen weiter während ich das Zelt verstaute. Er kam einen Tag vor uns mit der gleichen Fähre aus Værøy hier an und machte am nächsten Tag bei der Anmeldung eine ähnliche Erfahrung wie wir. Bevor wir ziemlich enttäuscht den Campingplatz verließen, war es mir ein Bedürfnis dem Besitzer nochmals mitzuteilen, dass ich finde, dass er sich uns gegenüber ziemlich unfreundlich verhalten hatte. Wir haben nichts falsch gemacht und wenn er wolle dass man zu jeder Tag- und Nachtzeit anruft um sich zu registrieren, dann soll er das doch so hinschreiben. Seit wir am südlichsten Punkt Norwegens gestarteten waren, war es das erste Mal dass Probleme hatten. Wir finden es einfach keine Art uns deswegen einfach anzupflaumen. Sichtlich war es dem Besitzer eh peinlich und er entschuldigte sich- immerhin. Der bittere Beigeschmack blieb vorerst und wir fuhren wieder nach Å da wir dort gestern ein Hostel gesehen hatten. Auf der Fahrt dorthin blieben wir auch noch in einem Café stehen das uns in der Nacht aufgefallen war und ich gönnte mir Kaffee und selbstgemachten Apfelkuchen, freundliche Bedienung inklusive. Im Hostel bekamen wir auch ein schnuckeliges Doppelzimmer für die nächsten zwei Nächte.

Das Wetter am nächsten Tag war nicht viel besser als bei unserer Ankunft und das Verkehrsaufkommen von Wohnmobilen und Mietautos hatte sich um sagen wir 80% im Vergleich zu unserer bisherigen Tour durch Norwegen gesteigert. Meine Begeisterung hielt sich daher insgesamt in Grenzen. Wir statteten dem Tørrfiskmuseum (Stockfischmuseum) einen Besuch ab und konnten unsere Frage, warum die Möwen nicht die zum Trocknen aufgehängten Fische anknabbern, klären. Der Besitzer schilderte mit viel Begeisterung die Geschichte des Torrfisk und die Zubereitungsarten die hier in Norwegen üblich sind. Er erklärte, dass die Möwen zu der Zeit, wenn die Fische im Winter aufgehängt werden, erstens noch gar nicht hier sind, zweitens können die Möwen, nachdem es Wasservögel sind auf den runden Stangen nicht gescheit sitzen und drittens hängen die Fische mit  Schwanzflosse nach oben und diese ist ziemlich hart vor allem in getrocknetem Zustand. Aha! Danach pilgerten wir zu Fuss zum Supermarkt und der Tag war auch schon wieder um. Am nächsten Morgen statteten wir der berühmten Bäckerei in Å einen Besuch ab um uns ofenfrische Kanelsnurrer und Gebäck fürs Frühstück zu besorgen. Ein Gedicht, so flaumig wie die waren.

Danach machten wir uns auf den Weg zu einer kleinen Wanderung zu einem See und Wasserfall. Wettertechnisch war es weiterhin trüb.

Am Rückweg kehrten wir nochmals in dem netten Café ein und danach ging es wieder zurück ins Quartier. Dort angekommen fing es den restlichen späten Nachmittag an heftig zu regnen. So nützten wir die Zeit um unsere Touraufzeichnungen auf Gleich zu bringen und Fotos zu überspielen. Nachdem wir uns auch am nächsten Morgen mit frischen Kanelsnurrern den Tagesanfang versüßten und alles zusammengepackt hatten, radelten wir bei dem üblichen Nieselschauer gleich im Regenzeugs los in Richtung Norden/Osten. Erster Stopp sollte das berühmte Lofoten-Fotomotiv Reine sein. Bis dahin waren bereits 3 Tunnels zu passieren für die es hier aber für Radfahrer Umfahrungen gab. Das war sehr angenehm, da man so auch etwas mehr von der Landschaft sah (ohne Autoverkehr).

Wir kamen auch an einer von vielen großen Fischzuchtanlage vorbei. Von hier kommt also unser Räucherlachs.....

Der Verkehr war weiterhin sehr hoch auf den engen Strassen und vor allem Brücken. Aber alle verhielten sich uns gegenüber rücksichtsvoll. Nach 15km in Reine angekommen waren wir sicher: hier hat die Hauptsaison bereits begonnen. Ein übervoller großer Auto- und Reisebusparkplatz inklusive öffentlichem WC mit der obligatorischen Warteschlange davor. Nachdem es alle in das hiesige Kaffeehaus zog, ließen wir dieses aus und beschlossen ohne Stärkung weiter nach Ramberg zu fahren. Immerhin gab es ein Sportgeschäft hier und da meine Regenhose gerade den Geist aufgibt und undicht wird, stattete ich diesem einen Besuch ab. Bis ich dazu kam dauerte es allerdings noch da mich zwei Franzosen ansprachen und sich dafür interessierten woher wir kamen und wie lange wir unterwegs waren. Wir unterhielten uns total nett auf französich-deutsch-englisch. Im Sportgeschäft gabs leider nichts für mich und so fuhren wir nach einem kurzen Fotostopp im Regen weiter Richtung Ramberg. Regen, viel Verkehr und TouristInnen und eine undichte Regenhose...ich muss wohl nicht näher ausführen: meine Motivation ließ zu wünschen übrig. Aber es gab einen Lichtschein am Horizont: in Ramberg soll es ein nettes Café geben, das hat uns der Münchner in Værøy erzählt. Hin und wieder gab es dennoch nette Fotomotive und ab und zu war auch ein kleiner Sonnenstrahl zu sehen.

Endlich, nach weiteren 20km war es da, das Café: nichts wie hinein. Nach einem Mittagessen und Kaffee und Kuchen sah es draussen auch nicht mehr ganz so grau aus. 15km von hier soll es auch eine DNT-Hütte geben die über eine Nebenstrasse zu erreichen sein soll. Man musste sich den Schlüssel allerdings hier in der Touristeninformation holen. Nachdem Martin alles in Erfahrung gebracht hatte und wir den Schlüssel für die Hütte erhielten, ging es in Richtung Selfjorden.

Sobald wir auf die Nebenstrasse abbogen war auch das Verkehrsaufkommen viel geringer.

Bei der Hütte angekommen, machten wir es uns so richtig gemütlich....unter anderem mit den Hits der 80er vom Radiosender "Pop" mit Pop non Stop.

Derzeit schwitzt ja gerade ganz Mitteleuropa bei tropischen Temperaturen. Wir haben es hier etwas kühler bei 6°C und haben deshalb den Ofen eingeheizt. Ich glaube einige Leute würden jetzt gerne mit uns tauschen....

Was uns so beim Revuepassieren der letzen Tage hier auf den Hauptinseln in Lofoten auffiel: es gibt enormviele Hinweis- und Verbotsschilder:
-man soll nicht mit den Rucksäcken in den Supermarkt
-man soll nur die Einkaufswagen/- körbe vom Supermarkt beim Einkaufen verwenden und nicht die eigene Tasche
-man soll im Caféhaus nicht Kartenspielen
-überall Parkverbotsschilder
-campieren verboten
-man soll....
Irgendwie schade, dass man offensichtlich alles erklären muss. Aber ich habs ja selber gesehen in den Gemeinschaftseinrichtungen: selbst wenn man schreibt "bitte räume die Sachen weg nachdem du sie benützt hast"  nützt das oft nichts. Diese Feststellung ließ uns einmal mehr die Frage des Tourismus diskutieren. Und wir mittendrin- wir sind auch nichts anderes- sagt Martin wenn ich mich beschwere dass hier so viele Touris sind.
Da es auf der Hütte kein Trinkwasser gab und man uns sagte, dass das Wasser aus der Quelle momentan dreckig ist, wir es aber trinken könnten wenn wir es mit unserem Filter filtrieren, wollte ich um 23 Uhr noch "schnell" einen kleinen Spaziergang zu dem nächsten Bach machen. Ich bildete mir ein, dass das sicher sauberer sei als das von der Quelle hinter der Hütte. Nach 30min Schlammgewatschel und nassen Füßen warf ich es über den Haufen und nahm doch das Wasser aus der Quelle hinter dem Haus...wozu schleppen wir unseren Wasserfilter mit. Um 1:30 war dann Schluss für heute und wir gingen schlafen.
Am nächsten Morgen- man kann es kaum glauben- lugte doch glatt die Sonne zeitweise durch die Wolken als ich um 7:00 aufwachte. Fürs Aufstehen fand ich es allerdings noch zu früh und so wachten wir erst um 10:30 wieder auf. ich ärgerte mich über mich selber da das Wetter doch schön war und ich hier keinen Sonnenstrahl verpassen wollte.  Bis jetzt gabs in Lofoten nur Regen und grau in grau. Wir frühstückten flott und machten uns mittags auf den Weg zu einem der schönsten Strände auf dieser Insel hier: nach Kvalvika. Es waren zwar mittlerweile wieder Wolken, aber ein großes blaues Loch schob sich langsam in unsere Richtung. Wir marschierten den anfangs zur Abwechslung schlammigen und gatschigen Weg in Richtung  Kvalvika- ich war nicht so begeistert von dem Weg- aber umkehren ist ja nie eine Option- man will ja was sehen. Also weiter von Stein zu Stein hüpfend den Gatschlöchern ausweichen. Ab und zu kam ein Schaf mit seinen Lämmchen in Sichtweite- das entzückt mich sowieso immer.

Zwischendurch musste auch eine Streulichtblende vom Fotoapparat aus einer Felsspalte geborgen werden. Bei uns ist immer was los!.. ich sags gleich ich wars nicht!

Und dann, als endlich der Strand in Sichtweite kam, kam auch pünktlich die Sonne heraus. Herrlich!

Wir spazierten den Strand entlang, genossen die Sonne, die Aussicht und machten Fotos.

Martin turnte dazu natürlich auf den Felsen herum....viel zu gefährlich sag ich immer! Tja, wie recht ich nicht habe.... als ich mal nachschaute wo er denn so lange bleibt, kam er auch schon pitsch patsch nass daher- er ist auf einem Felsen ausgerutscht und dort wo er liegen geblieben ist hats grad eine "kleine" Welle drübergeschwappt.

Ich sag's ja immer: viel zu gefährlich- ich kann mir da den Mund fusslig reden. Na wenigstens scheint die Sonne und wir trockneten die Hose am Felsen, entleerten die Schuhe und stärkten uns mit Apfel und Schokolade.

Martin trocknete sich auch in der Sonne....

... und seitdem wissen wir wie Yoga nach Lofoten kam. Wir haben nämlich von Linda, die wir bei Brønnøysund getroffen hatten, erfahren, dass Yoga in Lofoten total "in" ist.
Da mir schon beim Strandspazieren der ganze angeschwemmte Müll auffiel und wir nach dem Apfelessen ein leeres Sackerl übrig hatten, beschloss ich dieses mit herumliegenden Müll vollzustopfen und mitzunehmen. Martin war mit dabei und so sammelten wir soviel unser kleines Sackerl halt aushielt. Damit im Schlepptau machten wir uns bei Sonnenschein und blauem Himmel auf den Weg zurück zu unserer Hütte am Selfjord.

Auf dem Weg vom Strand weg fiel uns auch leider auf, dass zu Manchen offensichtlich noch nicht durchgedrungen ist, dass man beim Zelten in der freien Natur seinen Müll auch wieder mitnimmt.

Unvorstellbar, aber wahr. Da gibt es Menschen die sich 6km einen Wanderweg von der Strasse hierher bewegen um einen idyllischen Platz zum Kochen oder Essen und/oder Zelten zu haben, schleppen dafür offensichtlich Pappteller, Plastikbecher, ein Glas Nudelsoße und was zum Trinken her und können dann das leere Zeug nicht wieder mitnehmen sondern lassen es einfach so hier liegen. Was denken sich diese Leute eigentlich- dass hier täglich der Putzdienst vorbeikommt? Ich könnte mich noch stundenlang darüber aufregen. Und bald wird es auch an diesem Ort heißen: Campieren verboten. Schade oder sehr traurig.
Wir haben auf jeden Fall unseren eingesammelten Müll erfolgreich in der Mülltonne am Parkplatz entsorgt, genießen den Abend in der Hütte und trocknen unsere Schuhe beim Ofen.

Und auch an diesem Abend heisst es "Pop non Stop" auf Kanal 8 mit den 80er Hits. Diese unterhalten uns auch am nächsten Tag, dem 1.7. Wir haben unseren Aufenthalt in der Selfjordhütte um einen Tag verlängert. Es schüttet und die Sicht ist gleich null- da macht es für uns keinen Sinn weiterzufahren. Schließlich wollen wir von der Landschaft etwas sehen. Also legen wir einen Pausentag ein und lassen es uns gut gehen.

Gesamtkilometerstand: 4709km

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