24- DAS BLAUE BAND
25.5.2019, katrin[at]lightriders[dot]info, martin[at]lightriders[dot]info
Unsere Route

Bei Sonnenschein starteten wir am 20.5. aus Gol. Unsere erste Station für heute war in Nesbyen geplant. Dort wollten wir im Supermarkt wieder unsere Teereserven aufstocken und eine Kaffeepause machen. So ging es weiter entlang des Flusslaufs nach Nesbyen. Der Supermarkt und auch das Café waren schnell gefunden. Da die Wetterprognosen für die nächsten Tage sehr regnerisch angesagt waren, überlegten wir ob wir nun weiterfahren oder hier eine Pause einlegen sollten, da auf den nächsten 2 Etappen nur wildcampieren möglich sein wird. Wir hatten eigentlich Lust weiterzukommen und da wir ja für Schlechtwetter ausgerüstet sind, entschieden wir weiter zu fahren. Und so ging es wieder auf knappe 900m hinauf- vorbei an Seen und durch den Wald. Es fing an zu regnen aber die heftigen Regenschauer blieben aus. Gegen 17:00 fingen wir an langsam Ausschau nach einem Zeltplatz zu halten. Das war nicht so einfach, da es hier eher sumpfig war. Und so fuhren wir noch eine Weile weiter. An der Abzweigung nach Bagn war eine Hütte angeschrieben, die allerdings nicht zum DNT gehört. Wir überlegten kurz und recherchierten auf den Karten darüber. Da kam ein Autofahrer vorbei, der nach kurzer Zeit stehen blieb und zu uns zurück schob um zu fragen ob wir Hilfe bei der Suche nach einem Weg benötigten. Voll nett! Ich meinte, wir wüssten wo wir hingehören, aber wir suchen nach einem geeigneten Zeltplatz. Da meinte er, ja hier ist es eher nass überall und da wüsste er jetzt spontan auch nix. Er wünschte uns noch "God tur" und fuhr weiter. Wir fuhren in Richtung Bagn weiter und nach kurzer Zeit fanden wir auch ein idyllisches Zeltplatzerl. Da es noch etwas regnete warteten wir mit dem Zeltaufstellen. Die Stimmung an dem See war mittlerweile sehr mystisch.

Da wir auf der Karte sahen, dass die Hütte nur 500m entfernt war, entschieden wir einfach dort vorbeizuschauen. Falls sie nicht geöffnet ist, würden wir hierher zurückkommen. Also radelten wir den halben Kilometer zur Hütte um festzustellen das sie, wie wir angenommen hatten, geschlossen hat. Und so fuhren wir zurück auf den Zeltplatz den wir uns vorher ausgesucht hatten. Wir hatten Glück, der Regen war vorbei und wir konnten das Zelt trocken aufstellen. Während ich die Matten aufpumpte und die Schlafsäcke aufflauschte, kümmerte sich Martin um das Wasserfiltern und Turmat kochen. Und so ging wieder ein Tag zu Ende.

Auch am nächsten Tag erwartete uns am Vormittag mystischer Nebel am See.

Es ging auf einem Hochplateau entlang, der Neel verzog sich und die Sonne kam heraus.

Dann ging es wieder einmal bergab nach Bagn. Hier hatte es dann sommerliche Temperaturen. In Bagn gab es wieder einen Supermarkt wo wir uns etwas zu essen kauften und dann überlegten ob wir noch weiterfahren. Da es hier aber keine Möglichkeit zum Campieren gab, entschieden wir uns weiterzufahren obwohl es schon später Nachmittag war. Dies bedeutete wieder einmal 500hm raufzustrampeln und das bei einer Steigung von teils 10%. Da für die Nacht stärkere Regenfälle angesagt waren, entschieden wir uns unserer Route bis ins nächste Tal wieder bergab zu folgen. Noch schnell vor der Bergabfahrt wechselten wir meine vorderen Bremsbeläge, die sich offenbar durch unsere Gatschpartie im Fjell schnell abgenützt hatten. Im Tal, in Bruflat, angekommen hielten wir bei der Tankstelle und ich fragte nach ob vielleicht jemand einen guten Platz für unser Zelt weiß. Tatsächlich wurde uns ein Platz an dem Fluss Etna noch ca 6km weiter auf unserer Route empfohlen. Auf unserem Weg kamen wir noch bei einem Supermarkt vorbei, der aber wegen Renovierung geschlossen hatte. Allerdings war dort reger Betrieb weil noch gearbeitet wurde und ich fragte nach ob wir hier vielleicht unsere Wasserflaschen auffüllen könnten. Die Person die ich ansprach organisierte für uns offensichtlich den Besitzer, der uns sehr hilfsbereit bei sich Wasser nachfüllen ließ. Wir plauderten noch ein bißchen und fuhren weiter. Wir erreichten den beschriebenen Platz wo wir eine geeignete Stelle für das Zelt aussuchten damit wir im Falle der vorausgesagten starken Regenfälle heute Nacht nicht gleich im Schlamm watscheln. Kaum hatten wir das Zelt aufgestellt und unsere Sachen verstaut, fing es auch schon an zu regnen. Ein warmes Abendessen fiel daher für heute aus. Die Wetterprognose behielt Recht und in der Nacht trommelten die Regentropfen teilweise sehr heftig aufs Zelt. Die uns schon bekannten undichten Stellen waren auch diesmal undicht. Aber sonst blieb alles trocken. Die Feuchtigkeit aber blieb natürlich. Und so packten wir am Morgen wieder alles zusammen und folgten unserer Route weiter. Die 500hm die wir gestern talwärts gefahren sind, durften wir gleich wieder hinaufradln. Die Regenfälle ließen auch diesmal wieder mystische Nebelschwaden vorbeiziehen.

Auf dem erreichten Plateau ging es wie üblich hügelig weiter bis zur nächsten Talfahrt nach Fagerlund. Dort stärkten wir uns mit einem Weckerl aus dem Supermarkt. Während wir noch gemütlich vor dem Supermarkt am Bankerl unser Eingekauftes verstauten, fing es an zu regnen- nein zu schütten. Nachdem die 5-Minuten-Taktik diesmal nicht griff, schmissen wir uns in die Regenkluft- die muss auch einmal einem Härtetest unterzogen werden. Und so ging es im strömenden Regen aber bei warmen Temperaturen weiter und auf den nächsten Berg. Hier haben wir auch den 61. Breitengrad überschritten.

Der Regen hörte auch an diesem Tag wieder auf und teilweise kam die Sonne heraus, sodass wir das  Regengewand wieder verstauten. Zwischendurch kam dann doch wieder der ein oder andere Regenschauer auf, diese konnten wir aber durch die 5-Minuten-Regenschirmtaktik überbrücken. Erst gegen 19:50 kamen wir zu unserer heutigen Schlüsselstelle: ein 1km langer Wanderweg von dem wir nicht wussten ob dieser fahrbar wäre. Aber da uns 1km überschaubar für eine Schiebepartie schien, riskierten wir diese Streckenführung um zum ersten Mal eine Hütte des DNT auszutesten. Bei der Weggabelung angekommen war sofort klar: fahrbar ist hier nichts. Der Weg dürfte erstens nicht recht oft benützt werden und zweitens war es durch die Schneeschmelze und die Regenfälle der letzten Zeit sehr feucht und sumpfig. Martin ging kurz voraus um sich einen Überblick zu verschaffen und es wurde entschieden die Taschen abzumontieren und zuerst nur die Räder den einen Kilometet bis zur nächsten Forststrasse zu schieben, dann zurückzugehen und die Taschen zu holen. So starteten wir mit den Rädern und Rucksäcken im Schlepptau den Weg entlang. Der verlief sich relativ bald bei der ersten Bächleinüberquerung. Mit dem GPS ist das natürlich sehr hilfreich da man sieht wo man sich befindet und wo der Weg sein sollte. Nach cirka 20min behirnten wir auch, dass die Wegmarkierung hier nicht durch farbliche Markierungen an Bäumen vorgenommen wurde sondern durch blaue Bänder die irgendwo angebracht waren. So ging es "etwas" schneller voran bei unserer Suche nach dem nächsten blauen Band.

Einmal mussten wir die Räder über einen Zaun hiefen. Die vorhandene Übersteighilfe war etwas morsch und hatte auch schon bessere Zeiten gesehen.

Danach war es noch ein kurzes Stück und nach ca 45min hatten wir es geschafft. Da es nun schon recht spät war- so ca. 20:45, verstauten wir die Räder und Rucksäcke auf der Forststrasse, nahmen nur das Wichtigste wie Handy, GPS und Stirnlampen mit und machten uns äusserst zügig und ohne Rücksicht auf nasse Füße wieder auf den Weg zurück um die Taschen zu holen. Da wir ja nun auch wussten, dass wir das blaue Band suchen müssen, ging es sehr flott voran.

Bei mir kam kurz Sorge auf, da es zweimal donnerte. Auf ein Gewitter hier hatte ich wirklich keine Lust und etwas Nebel kündigte sich entfernt auch an. Glücklicherweise verzog sich beides. Die zurückgebliebenen Taschen wurden geschultert und so gingen wir sehr zügig, weils so schön war, den blauen-Band-Weg ein drittes Mal. Knapp vor 22:00 hatten wir alles wieder auf die Räder gepackt und uns trennten nur wenige Kilometer von der Skjellbreidhytta. Hügelig ging es die letzten Kilometer voran- das forderte meine Mentalität nach den heute bereits zurückgelegten Höhenmetern und unserem Wanderexkurs. Wir malten uns schon aus, was mit der DNT-Hütte alles nicht stimmen könnte und hielten uns mit unseren Vorschlägen bei Laune:
Die Top 3:

1. Die Hütte ist wider Erwarten und Recherche wegen Renovierung geschlossen
2. Der DNT-Schlüssel passt nicht
3. Die Hütte ist wegen geschlossener Gesellschaft voll belegt

Wir haben uns die letzten Höhenmeter hinaufgekämpft und erreichten bei gerade noch Tageslicht gegen 23:00 die Hütte. Sie wurde weder renoviert, noch befanden sich hier Leute (außer uns) und auch der Schlüssel passte. Ziemlich erschöpft verstauten wir alles in der Hütte, Martin heizte den gemütlichen Ofen ein, ich hing unser nasses Zeugs zum Trocknen auf und wir genossen unser Turmat bei Kerzenschein im Warmen und Trockenen. Um 1:30 war Nachtruhe. Da wir am nächsten Tag nur eine kurze Distanz von knappen 30km bis Lillehammer geplant hatten, beschlossen wir es am nächsten Tag gemütlich anzugehen.

Wir frühstückten in Ruhe, packten zusammen und radelten bei Sonnenschein aber frischem Wind in Richtung Lillehammer. Die 1566 Höhenmeter und unsere Blaue-Band-Tour machten sich bemerkbar. Es ging zwar anfangs eher bergab, aber jeder kleine Hügel und der aufgeweichte Boden erinnerten uns an unsere beanspruchten Muskeln. Der Spaßfaktor kam auch heute nicht zu kurz:

Und ein 200 Höhenmeteranstieg lag noch vor uns. Aber auch den schafften wir und so erreichten wir am späten Nachmittag den Olympiaort Lillehammer.

Im Vorfeld hatten wir uns schon über Übernachtungsmöglichkeiten hier informiert. Es schien aber relativ viel los zu sein- so entschieden wir uns zu dem Campingplatz zu fahren, der auch ein angeschlossenes Hotel betreibt. Dieser lag allerdings am anderen Ende des Ortes. So könnten wir uns ein bißchen Luxus gönnen und am Campingplatz  Waschmaschine und Trockner benutzen um unsere Sachen wieder auf Vordermann zu bringen. Dort angekommen, mussten wir feststellen, dass die Rezeption nur bis 12:00 geöffnet war und danach keine Vorortbuchungen mehr vorgenommen werden können. Unsere Begeisterung darüber hielt sich in Grenzen! Immerhin konnten wir dort überdacht einen heftigen Regenschauer abwarten und gleichzeitig versuchen ein Zimmer oder Ähnliches aufzutreiben. Das erwies sich als schwieriger als gedacht. Am zweiten Campingplatz in Lillehammer, der natürlich am anderen Ende des Ortes lag, hatten sie noch eine Hütte frei. Also wieder zurück. Immerhin hatte es zu regnen aufgehört. Wir bezogen unsere Hütte und beschlossen hier zwei Tage zu pausieren. Es gibt vor der nächsten Etappe noch Einiges zu organisieren. Am ersten Pausentag schliefen wir uns so richtig aus und machten uns bei Regen gemütlich auf den Weg ins Zentrum von Lillehammer in ein Café zum Frühstücken. Danach flanierten wir durch die Fußgängerzone.

Nebenbei wurden alle Sportgeschäfte systematisch abgeklappert um einerseits eine neue dünne Radjacke fürmich zu suchen da meine auf der Etappe nach Geilo den Geist aufgegeben hat, andererseits für Turmatnachschub zu sorgen und auch nach einem Nahtimprägnierer fürs Zelt Ausschau zu halten. Und wir staunten nicht schlecht: im ersten Sportgeschäft fanden wir den Nahtimprägnierer! Juhuu! Das war natürlich klar, da Schwester Julia bereits einen für uns in Wien organisiert hatte und nur auf weitere Anweisungen wartete wohin sie uns den schicken sollte. Auch Turmatnachschub und Radjacke konnten wir von unserer To-Do-Liste streichen. Wir besuchten zur Stärkung zwischen unserer Sportgeschäftralley auch noch ein österreichisches Café und genossen "Geröstete Knödel" und "Sachertorte". Martin wollte in den Pausentagen hier versuchen seine Tasche mit dem Radersatzmaterial  wasserdicht zu machen- dazu suchten wir ein Spezialgeschäft für Wanderschuhe auf. Das traf sich äusserst gut, wie sich herausstellte. Nachdem wir uns zu dem Imprägniermittel informierten, kamen wir natürlich mit dem Besitzer des Geschäftes ins Plaudern. Auch er war ein begeisterter Radfahrer. Und so nutzte ich die Gelegenheit und fragte, ob er vielleicht die Trollsykkelruta kennt, da wir vorhaben diese als nächste Etappe zu fahren. Er riet uns jedoch auf eine andere Route auszuweichen. Mit viel Hilfsbereitschaft und Engagement recherchierte er über Webcams und Kontaktaufnahme mit Hotels in höheren Lagen die Schneelage um herauszufinden ob die Alternativroute "Birkebeinervegen" für uns fahrbar sein würde.

Es ist für uns äusserst hilfreich, dass uns Jeroen als Radfahrer soviel Zeit gewidmet hat. Da er hier selber Rad fährt, kann er sehr gut einschätzen welche Wege fahrbar sein würden und kennt die Gegend, wo es landschaftlich schön ist, welche Wanderwege fahrbar sind und welche man meiden sollte. Wir bedanken uns vielmals für das Engagement und werden hier natürlich berichten wie es uns auf dem Birkebeinerweg ergangen ist.

Nach unserer erfolgreichen Einkaufstour ging es zurück zu unserer Hütte. Das Abendprogramm: 40°C Pflegeleicht und Wolle mit anschließendem Trockenprogramm. Zwischendurch mussten wir auch noch ein Küchenkastl vor dem Absturz bewahren und den netten Platzwart um Hilfe bemühen.

Das Zelt mussten wir auch noch unbedingt lüften damit wir die Feuchtigkeit rausbekommen. Und so wurde auch noch das Zelt fachmännisch bei uns in der Hütte zum Trocknen aufgehängt.

Den 2. Pausentag hier in Lillhammer begannen wir mit einem super Frühstück im Bahnhof. Heute war das Wetter freundlicher und wir spazierten durch die Stadt.

Es ging zum Freilichtmuseum Maihaugen wo wir an einer Zeitreise durch Gebäude des Gudbrandsdalen vom Mittelalter bis heute teilnahmen.

Dem olympischen Museum statteten wir ebenfalls einen Besuch ab. Zurück am Campingplatz trafen wir letzte Vorbereitungen für unsere Weiterfahrt. Schuhe und Taschen wurden imprägniert, der kaputte Schlauch gepickt, mein Hinterrad zentriert und alles soweit wie möglich wieder zusammengepackt. Morgen heisst es dann Abschied nehmen von Lillehammer um unsere Tour nordwärts fortzusetzen.

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