16- 2000KM UND AN DER VESTKYSTRUTEN
26.4.2019, martin[at]lightriders[dot]info
Unsere Route

Am Morgen, es war der 22.4., haben wir relativ lange gebraucht, um aufbruchsbereit zu werden, da wir auf die Morgensonne zwecks Zelttrocknung gewartet haben. Es ist noch immer Optimierungspotential was die Zeiteinteilung am Morgen betrifft vorhanden, aber wir haben es ja nicht eilig. Die Tageslänge ist hier auch schon deutlich länger als zuhause. Sonnenuntergang ist in diesen Breiten und um diese Jahreszeit erst um 20:50 angesagt.
Heute war wieder Dünenradeln angesagt, also durch grasbewachsene Sanddünen auf Sand- bzw. Schotterstraßen. Staubige Angelegenheit. Es war auch wieder wolkenloser, blauer Himmel. Die Mittagspause verbrachten wir im Örtchen Hvide Sande, hier ging es ziemlich touristisch zu mit vielen Geschäften und vielen Leuten  und wir überquerten hier auch gleich den 56. Breitengrad. Dem wurde sogar ein eigenes Denkmal gewidmet.

A propos Touristen: Ich habe den Eindruck, der Teil von Dänemark durch den wir hier radeln wird neben Dänen hauptsächlich von Deutschen und Holländern bewohnt die sich in Retortenferienhaussiedlungen versammeln. Während der Osterferien war hier ziemlich viel los. Anscheinend wollen hier alle ans Meer. Auch Katrin konnte es sich nicht verkneifen, bei Gelegenheit ihre Füßchen ins Meer zu tauchen. Die Wassertemperatur war jedenfalls sehr frisch.

Bei Gesamtkilometer 1982km war es dann soweit: Der erste Platten, und zwar an Katrins Hinterrad. Anscheinend hat irgendwas den Schlauch durchstochen. Also gewechselt und weiter gings durch Dänemarks Dünenlandschaft.

Ansich hatten wir vorgehabt wieder zu campen. Die letzten Tage hatte sich aber schon etwas Schmutzwäsche angesammelt und wie wir zur Abwechslung durch einen bereits etwas grünen Laubwald radelten sahen wir es: Ein Schild zu einem Bed&Breakfast. Wir haben uns kurz gegenseitig angesehen und waren uns einig, dass etwas Komfort zwischendurch nicht schaden kann. Und schon sind wir von unserer Route Richtung B&B abgebogen. Wir hatten Glück und sind in einer sehr netten Unterkunft gelandet, wo uns zum Frühstück selbst gemachtes Schafsjoghurt und selbst gebackenes Brot serviert wurde. Hier waren nicht nur wir untergebracht sondern auch viele Tiere wie zum Beispiel Pferde, zwei Hunde und Netto, der kleine Hauskater. Und die Joghurtproduzenten (=Schafe) mussten ja auch noch irgendwo stecken. Netto, der Hauskater hat seinen Namen übrigens daher, weil er als kleines verlassenes Kätzchen am Supermarktparkplatz aufgelesen wurde, und das war eben ein Netto-Markt. Er wurde dann von der Hundedame Luna aufgezogen und ist jetzt ein Teil der Familie.

Katrin hat es hier gut gefallen und sie hätte nichts dagegen gehabt, hier einen Ruhetag einzulegen. Aber das Wetter war am Morgen wieder schön, also weiter! Das Wetter war grundsätzlich tatsächlich schön, aber als wir aus dem Wald herauskamen, merkten wir, dass ein gnadenloser Ostwind blies. Das war solange halbwegs gut, solange uns die Route nach Norden oder Westen führte. Nordwärts ging es in Schräglage mit allfälligen seitlichen Versetzern. Sobald es aber nur ansatzweise ostwärts ging wurde es brutal.

Hier hilft nur ein zusätzliches Doping in Form eines anständigen Fischburgers kombiniert mit einem Faxe Kondi Erfrischungsgetränk. Katrin ist in der Zwischenzeit ein bißchen zur See gefahren.

Wir hatten sie auf unserer Tour vor allem durch Deutschland und Dänemark fast immer im Blickfeld und sie hatten die letzten Tage viel zu tun: Windkraftanlagen in allen erdenklichen Ausführungen.

Brutal war auch der Staub, der durch den Wind aufgewirbelt wurde, besonders wenn man an Äckern vorbei fuhr von denen die Erde regelrecht verfrachtet wurde. Einmal hat ein Auto vor uns gewendet und wir vermuten, weil der Fahrer sich nicht getraut hat durch diese "Staubwand" durch zu fahren. Teilweise hat uns die Situation an Szenen aus dem Film "Interstellar" erinnert.

Die Landschaft wurde aber wieder abwechslungsreicher denn die Route führte uns an einem Abschnitt mit Steilküsten entlang (Bovbjerg).  .

An diesem Tag (23.4.) wurde auch die 2000km Marke geknackt. Die 1000km Marke befand sich in Deutschland bei Salzmünde kurz vor der Saalemündung in die Elbe. Nun sind wieder weitere 1000km dazu gekommen. 

In Thyborøn machten wir einen Zwischenstopp um unsere Vorräte aufzustocken. Wir lagen genau im Zeitplan, um noch die letzte Fähre des Tages zu erwischen. Als wir dann zum Fähranlegedock kamen sah es so aus:

Hier hat schon lange kein Schiff mehr an- und abgelegt....
Nach einer kurzen Recherche haben wir herausgefunden, dass der Fähranlegeplatz sozusagen ein Haus weiter verlegt wurde und wir sind dann dort hin gebraust. Wir waren noch immer voll im Zeitplan. Als wir ankamen, sah die Fähre aber gar nicht so aus, als wurde sie gleich ablegen. Es waren keine Fahrzeuge zu sehen, die auf die Überfahrt warteten und die Mannschaft war eher dabei, klar Schiff zu machen. Hmmm.... wir erfuhren, dass es offensichtlich irgendein Problem mit dem Anlegedock auf der anderen Seite gab und alle Fährfahrten für heute abgesagt wurden. Pech gehabt, dann wurde es nix mit der heutigen Überfahrt und wir mussten in Thyborøn ein Quartier für die Nacht suchen. So schlimm war es auch nicht, wir hatten ja schon um die 60km am Tacho stehen. Wir fanden auch einen netten Campingplatz, allerdings war die Rezeption unbesetzt, auf der Tür war aber eine Telefonnummer zu finden, die man in diesem Falle anrufen sollte. Gesagt getan, wir bekamen alle notwendigen Instruktionen und stellten unser Zelt auf. Hier gab es auch gleich mal einen Test für das Zelt, ob es auch stärkerem Wind standhält. Das Aufstellen bei Wind hat schon mal geklappt. Der Campingplatz war sehr in Ordung, sowohl die Waschräume als auch die Küche (super ausgestattet) waren sehr sauber und in gutem Zustand. Besonders die Waschräume waren von großer Wichtigkeit, um uns vom Staub des Tages zu befreien. Bei sternklarem Himmel legten wir uns auf unsere Isomatten und kuschelten uns in unsere Schlafsäcke. Eigentlich ganz gemütlich, nur der Wind zerrte ordentlich an den Zeltstangen. In der Nacht wachte ich kurz auf und glaubte ich träume. Ich hörte Regentropfen auf das Zeltdach platschen und schlief wieder weiter. Am frühen Morgen war das Geräusch noch immer da. Es hat also wirklich in der Nacht zu regnen begonnen. Unser Zelt erwies sich glücklicherweise als regenfest und da auch auf den noch immer starken Wind Verlass war, war auch die Zeltinnenseite am Morgen bereits trocken. Eine kurze Recherche im Internet ergab auch, dass die Fähre wieder den ordnungsgemäßen Betrieb aufgenommen hat. Beim dritten Versuch schafften wir also die Überfahrt in den Thy-Nationalpark. Der älteste und größte Nationalpark in Dänemark.

 

Zuerst gings wieder an der Küste entlang mit der üblichen Dünenlandschaft, teilweise mit versandeter Fahrbahn damit auch die Fahrtechnik nicht zu kurz kommt. 

Hier soll es einige Robbenkolonien geben, wir glauben auch welche sehr weit entfernt gesehen zu haben, in Ermangelung eines guten Fernglases konnten wir es leider nicht verifizieren. Dann ging es wieder in den Wald, zuerst Föhren und dann auch Mischwald. Es begann wieder leicht zu regnen und wir legten darauf hin unsere Regenkluft an. Hier glaubten wir ein paar Elche gesehen zu haben, leider waren sie für ein Foto zu schnell verschwunden. Kurz darauf meldete ich Katrin, das wir gleich an einem unbewirtschafteten kleinen Campingplatz vorbei kommen und gleichzeitig hatte ich plötzlich keine Luft mehr im Hinterrad. Ich schob die letzten 100m zum Campingplatz und bei leichtem Regen begannen wir den Schlauch zu wechseln. Nachdem wir heute schon etwas herumgetrödelt hatten und es schon 16 Uhr war, beschlossen wir es für heute gut sein zu lassen und hier zu bleiben. Es gab hier eine überdachte Holzhütte und einen  Wasseranschluss. Ich habe daraufhin gleich unsere mittlerweile zwei defekten Schläuche repariert.

Gute Nacht!

 

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