6- ENDSPURT IN SICHT
15.08.2021, Julia

13.8.2021 - Pausetag
Heute war Ausruhen und Reparieren angesagt. Katrin lag schon seit zwei Nächten auf einer  immer wieder ausgelassenen Luftmatratze - dementsprechend gelaunt kroch sie in der Früh aus dem Zelt. Also wurde heute die Matratze gepickt.

Die braucht laut Anleitung eh acht Stunden zum Trocknen. Die Töpfe mussten mit Flusssand schonend geschrubbt werden, ein paar angebrandelte Stellen waren nicht mehr herkömmlich wegzukriegen. Einige Wäschestücke waren auch schon wieder zu waschen. Und vor allem, wir hatten eine Pause verdient. In der großen Hitze des Tages war sowieso nur chillen angesagt.

Heute Abend wollte ich unbedingt meinen Hobo-Griller ausprobieren und die Teleskop-Grillgabel mit kunstvollem curly birch-Griff (eine besondere Birkenart aus Lappland) einweihen, die mir Katrin und Martin von ihrem letzten Radl-Abenteuer im Norden mitgebracht hatten - per Rad versteht sich.
Den ganzen Tag über sammelte ich schon trockenes Feuerholz. Dann schleppten wir die Würstln, den Grillkäse (leider kein finnischer leipää juusto) an den Drau-Strand des Campingplatzes und versuchten zu Grillen. Es funktionierte gar nicht schlecht. Martin war sowieso der Meister im Feuer-Anfachen.

Die Mini-Würstln passten perfekt auf den kleinen Hobo-Kocher. Auch einen Kräuter-Radler (Bier mit Almdudler), den wir im letzten Wirtshaus in Ramingstein kennenlernten, ließen wir uns dazu schmecken.
Mit vollen Bäuchen und gut ausgeruht krochen wir in die Zelte - pünktlich für ein abendliches Gewitter.

14.8.2021
Heute war ein relativ ebenes an der Drau Entlangradeln angesagt. Das Zusammenpacken dauerte wie immer ein bisschen. Durch das Gewitter in der Nacht, war es in der Früh ganz nebelig, und die Zelte waren pitschepatschenass. Wir hatten nur 60km zu radeln und laut Höhenprofil waren keine nennenswerte Steigungen zu erwarten. Also mussten wir uns auch nicht stressen. Die Zelte konnten in Ruhe trocknen. In der kühlen Luft entlang der Drau radelte es sich ganz formidabel. Es roch nach Sommer, frisch gemähtem Gras, nasser Erde - es war herrlich. Außerdem wars echt nicht anstrengend - wir schnurrten ganz gemütlich dahin.

Es ging in einer Auenlandschaft dahin, dann wieder zwischen Maisfeldern und Wiesen hindurch, dann wieder auf einer einsamen Straße durch den Wald.

Immer wieder radelten wir durch kleine süße Ortschaften mit tollen alten Bauernhöfen und Scheunengebäuden, die diese typischen Ziegelmuster-Fenster hatten. Auch das Bergpanorama wurde deutlich steiler. Zum ersten Mal bekamen wir Ausblicke auf die karnischen Alpen.

Mittlerweile wars echt heiß geworden. Stehenbleiben war keine gute Idee - da fiel der Fahrtwind weg und man begann richtig zu schwitzen - also immer gemütlich weiterradeln. In Oberdrauburg bogen wir dann ab auf ein Eis. Die kleine mittelalterliche Stadt hat einen wirklich schönen Hauptplatz.

Von da an wars auch nicht mehr weit. Kurz vor unserem Ziel, einem Bauernhof in Nikolsdorf gleich neben dem Flugplatz, schmissen wir uns noch kurz in das eiskalte Wasser der Drau, damit wir nicht ganz so stinkig dort ankamen.
Diesmal hatten wir 3 Schweinderln und 3 Pferde als Nachbar*innen.

Noch dazu bekamen wir eine Einschulung in die Lienzer Festtagstracht und den Brauch der Kräuterweihe mit den 120 duftenden Kräutersträußen, die eigenhändig von unserer Gastgeberin und ihrer Tochter kunstvoll gebunden wurden, damit sie bei der Weihe an die Leute verteilt werden konnten.

Kilometerstand: 467km

 

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